MoGraph: Das MoText-Objekt

Tutorials 31. Oktober 2016 – 0 Kommentare

Das MoText-Objekt kommt wie eine Mischung aus Text-Spline und integriertem Extrudieren-Objekt daher. Sie finden daher in den Rubriken Objekt und Deckflächen nahezu alle Einstellungen dieser beiden Objekte wieder. In den Objekt-Einstellungen geht es hauptsächlich darum, den darzustellenden Text einzutragen und dessen Formatierung zu regeln. Zudem finden Sie hier auch die Tiefe, mit der Sie die Dicke der Buchstaben festlegen und die Unterteilung, mit der die zusätzlichen Segmente entlang der Extrudierung angegeben werden. Einstellungen, z. B. für Kerning, den Font oder auch die Interpolation der Zwischenpunkte sind identisch mit den entsprechenden Parametern eines Text-Splines. Neu ist auf dieser Einstellungsseite nur das Menü für die Shader-Indizierung. Damit legen Sie fest, wie die UV-Koordinaten verteilt und die interne Zählweise der Klone durchgeführt werden sollen. Der Hauptunterschied zwischen dem MoText-Objekt und einem normalen extrudierten Spline ist nämlich, dass sich alle Elemente eines Textes wie Klone verhalten können und wir später über Effektoren individuellen Zugriff haben, z. B. auf alle Zeichen, Worte und Textzeilen.

Animation in Cinema 4D - Teile des MoText-Dialogs

Abbildung 5.164: Teile des MoText-Dialogs

Wenn Sie sich an die Besprechung des MoGraph Farbe-Shaders erinnern, so gab es dort auch eine Option zum Verteilen von Graustufen entsprechend des Indexverhältnisses der Klone. Über die Shader-Indizierung am MoText-Objekt können Sie entsprechend festlegen, wie diese Indexnummern vergeben werden sollen. Bei Alles-Buchstaben-Index werden einfach alle Zeichen Ihres Textes von vorn bis hinten fortlaufend durchnummeriert. Der Farbe-Shader würde daher auf diesem MoText-Objekt einen Verlauf von weiß zu schwarz zwischen dem ersten und letzten Zeichen Ihres Textes berechnen.

Animation in Cinema 4D - Auswertung der Shader-Indizierung mit einem MoGraph Farbe-Shader

Abbildung 5.165: Auswertung der Shader-Indizierung mit einem MoGraph Farbe-Shader

Bei Wort-Buchstaben-Index werden die Indexnummern jeweils fortlaufend bis zum Erreichen eines Leerzeichens oder bis zum Erreichen eines Zeilenendes vergeben. Bei einzeln stehenden Worten würde der Farbe-Shader daher den ersten Buchstaben eines Worts weiß und den letzten Buchstaben schwarz darstellen. Natürlich jeweils mit einem weichen Graustufenverlauf auf den Buchstaben dazwischen. Schließlich werden die Graustufen bei Zeilen-Buchstaben-Index jeweils zwischen dem ersten und letzten Zeichen einer Zeile aufgeteilt. Die Abbildung 5.165 fasst die Auswirkungen dieser Einstellungen noch einmal zusammen. Dort erkennen Sie auf der linken Seite den MoGraph Farbe-Shader im Farbe-Kanal eines Materials und rechts unten dessen Einstellungen. Mit Kanal Indexverhältnis wird die jeweilige Zahl eines Buchstabens entsprechend des Splines im Shader auf Graustufen umgerechnet. Wird dieses Material auf das MoText-Objekt gelegt, werden die Buchstaben entsprechend der Einstellung für Shader-Indizierung gefärbt. Rechts oben in Abbildung 5.165 sind diese drei bereits beschriebenen Optionen in ihrer Wirkung noch einmal zu erkennen. Parallel zu dieser Indizierung verhalten sich auch die UV-Koordinaten der Buchstaben, die dann z. B. über einen Shader-Effektor angesprochen werden können.

In der Rubrik für die Deckflächen geht es nur um die Gestaltung der Deckflächen und deren Abrundungen. Diese Einstellungen stimmen eins zu eins mit denen z. B. eines Extrudieren-Objekts überein. Wie gewohnt werden auch hier unsichtbare Selektionen erstellt, die wir über Textur-Tags auswerten können. So stehen die Selektionsnamen C1 und C2 für die vordere und die hintere Deckfläche und R1 und R2 für die vordere und die hintere Rundung. Auf diese Weise lassen sich individuelle Einfärbungen dieser Elemente vornehmen, ohne den MoText zuerst konvertieren zu müssen. Die folgende Abbildung 5.166 zeigt ein Beispiel dazu.

Animation in Cinema 4D - Individuelle Materialvergabe auf einem MoText-Objekt dank vordefinierter Selektionsnamen

Abbildung 5.166: Individuelle Materialvergabe auf einem MoText-Objekt dank vordefinierter Selektionsnamen

Transformationen editieren

Richtig spannend wird das MoText-Objekt erstmals, wenn wir einen Blick auf die folgenden Rubriken Alles, Zeilen, Wörter und Buchstaben werfen. Die Optionen und Einstellmöglichkeiten dieser Rubriken sind jeweils nahezu identisch. Es kommt nur darauf an, welche Elemente des MoText-Objekts Sie verändern möchten. Entsprechend beschäftigen Sie sich mit den Einstellungen der dazu passenden Dialog-Rubrik. Beginnen wir dabei mit einem Blick auf die Einstellungen für die Achse. Diese beschreibt die Position des Achsensystems innerhalb des MoText-Objekts. Die Abbildung 5.167 gibt dazu eine Hilfestellung.

Animation in Cinema 4D - Die verschiedenen Achsensysteme eines MoText-Objekts

Abbildung 5.167: Die verschiedenen Achsensysteme eines MoText-Objekts

Dabei handelt es sich nur um einen 2D-Dialog, denn die Achsen von Buchstaben, Worten, Textzeilen und das Achsensystem des gesamten Textes können nicht völlig frei platziert werden. Aus diesem Grund finden Sie neben dem 2D-Vektorfeld der Achse auch noch prozentuale Werte für die X- und die Y-Verschiebung. Die Grundeinstellung X 50% und Y 50% bedeutet dabei, dass das jeweilige Achsensystem exakt in der Mitte des Elements liegt. Sie können die Achse daher nur zwischen dem linken und rechten, bzw. oberen und unteren Rand der Elemente platzieren. Dazu erhalten wir auch direkt in den Ansichtsfenstern eine Referenz in Form farbiger Punkte. Die grünen Punkte markieren die Lage der Achsen an den Buchstaben bzw. Zeichen Ihres Textes. Jedes Wort hat dann noch einmal einen dunkelblauen Punkt als Markierung seines Achsensystems. Die türkisblauen Punkte stellen die Achsensysteme der Textzeilen dar. Schließlich ist auch noch ein weißer Punkt auszumachen, der das Achsensystem des gesamten Texts markiert und über die Alles-Rubrik des MoText-Objekts verschoben werden kann. Zum Verschieben dieser Achsen-Punkte wechseln Sie in die entsprechende Rubrik des MoText-Objekts und verändern die Prozentwerte für X und Y. Alternativ hierzu können Sie auch direkt mit der Maus in das Achse-Vektorfeld klicken und dort das kleine Kreuzchen verschieben. Dieses stellt ebenfalls relativ zu den vorgegebenen Begrenzungen die Position des Achsensystems dar.

Die Verschiebung der Achsensysteme allein führt noch zu keiner Veränderung am dargestellten Text. Dies ist erst zu erwarten, wenn z. B. in der Transformation-Rubrik die Größe oder der Winkel verändert werden. Für Verschiebungen spielt die Lage des Achsensystems hingegen keine Rolle, da die Achsen-Punkte nicht gedreht werden können. Wie Sie in Abbildung 5.168 erkennen können, lassen sich bereits mit einfachen Rotationen Effekte erzielen, die mit einem normalen Text-Spline nicht möglich gewesen wären, zumal hier Text, Font, Kerning usw. weiterhin editierbar bleiben. In der Abbildung 5.168 wurde zuerst in der Kategorie Wörter der W.P-Winkel verändert, um jedes Wort zusammenhängend zu kippen. Anschließend wurde in der Buchstaben-Rubrik der gleiche Winkel, jedoch mit negativem Vorzeichen für W.P verwendet, damit alle Buchstaben wieder senkrecht stehen.

Animation in Cinema 4D - Individuelle Rotation von Worten und Buchstaben eines MoText-Objekts

Abbildung 5.168: Individuelle Rotation von Worten und Buchstaben eines MoText-Objekts

Beachten Sie bei der Veränderung der Größe-Werte, dass die Skalierung von der Drehung abhängig ist. Die Achsen werden also durch die W.-Werte der Transformation entsprechend gedreht. Bei einer Veränderung der Positionen über die P.-Werte, egal in welcher Rubrik, erfolgt die Verschiebung jedoch immer entlang der Achsen des MoText-Objekts. Die Kategorien Zeilen, Wörter und Buchstaben haben zudem eine Option für Höhe anpassen. Diese sorgt dafür, dass die Grundlinie des Textes auch dann erhalten bleibt, wenn z. B. Buchstaben gedreht oder mittels Spline-Effektors auf einem Spline angeordnet werden.

Möglich wird dies, weil sich die Achse-Prozentwerte für X und Y dann immer auf die Höhe des größten Buchstabens eines Worts oder einer Zeile beziehen. Ist die Option ausgeschaltet, wird die Achse jeweils relativ zur individuellen Höhe z. B. eines jeden Buchstabens platziert.

MoText und Effektoren

Wir haben nun bereits gesehen, wie viel Spaß mal mit den verschiedenen Transformationen am MoText haben kann. Richtig flexibel wird der MoText jedoch erst dadurch, dass alle Elemente auch über Effektoren angesprochen werden können. Dazu wieder ein kleines Beispiel eines typischen Workflows. Wir beginnen damit, die Buchstaben etwas einzufärben. Dafür benutzen wir zwei Zufall-Effektoren. Der erste soll den Worten individuelle Farben geben. Der zweite Effektor soll diese Farben dann nochmals zufällig pro Buchstabe abdunkeln. Da diese Zufall-Effektoren beide ausschließlich für Farben und Alpha-Stärken zuständig sein sollen, erhöhen Sie an beiden Effektoren den Minimum-Wert auf 0%. Der Effektor für die Einfärbung der Worte benutzt den Zufallsmodus Zufall und natürlich Farbmodus An. Der zweite Zufall-Effektor für die Abdunkelung der Buchstaben ist im Zufallsmodus Noise automatisch animiert und verwendet den Farbmodus Manuell mit aktiver Alpha/Stärke verwenden-Option. Als Farbe wähle ich Schwarz. Dadurch wird Schwarz mit zufälliger Deckkraft auf die Buchstaben gelegt. Sie finden diese Einstellungen noch einmal in Abbildung 5.169.

Animation in Cinema 4D - Einstellungen an zwei Zufall-Effektoren

Abbildung 5.169: Einstellungen an zwei Zufall-Effektoren

Nun müssen diese Effektoren nur noch in die richtigen Kategorien des MoText-Objekts gezogen werden. Der Effektor mit dem Zufallsmodus Zufall gehört in die Effektoren-Liste der Rubrik Wörter. Sofern nicht bereits ein Material auf dem MoText liegt, sollten Sie nun bereits im Editor die zufällige Färbung der Worte erkennen können. Verändern Sie einfach den Startwert dieses ersten Effektors, sollten Ihnen die Farben nicht gefallen.

Animation in Cinema 4D - Zuweisung und Wirkung der Zufall-Effektoren

Abbildung 5.170: Zuweisung und Wirkung der Zufall-Effektoren

Den zweiten Effektor, der den Zufallsmodus Noise benutzt, ziehen Sie in die Effektoren-Liste für die Buchstaben. Wie in Abbildung 5.170 festgehalten, sollten sich dadurch die Buchstaben nur in ihrer Helligkeit verändern, die zufällige Färbung des entsprechenden Worts jedoch beibehalten. Im nächsten Schritt können wir uns mit der Formung des Textes beschäftigen. Wie wäre es z. B. mit der Platzierung des Textes an einem Spline?

Animation in Cinema 4D - Anlegen von Splines und von MoGraph-Selektionen

Abbildung 5.171: Anlegen von Splines und von MoGraph-Selektionen

Wir beginnen also damit, zwei Splines zu zeichnen. Zwei deswegen, weil ich gerne jede Zeile meines Textes an einem Spline ausrichten möchte. Ansonsten wird mehrzeiliger Text nur hintereinander auf einem Spline dargestellt. Im zweiten Schritt erstellen wir zwei MoGraph-Selektionen, eine für jede Zeile. Daran erkennen Sie bereits, dass auch die Buchstaben eines MoText-Objekts mit der MoGraph Selektion ausgewählt werden können. Dies ist am Beispiel der oberen Textzeile auf der rechten Seite von Abbildung 5.171 zu sehen. Da wir nun zwei Splines haben, benötigen wir auch zwei Spline-Effektoren in denen jeweils eines der beiden Spline-Objekte aufgeführt wird.

Beide Effektoren verwenden Modus Relativ, damit die Abstände zwischen den Textzeichen erhalten bleiben, mit Achse relatives Offset +X. Würden wir die Spline-Effektoren direkt so als Effektoren, z. B. im Bereich für die Buchstaben am MoText verwenden, würde immer der gesamte Text ohne Beachtung der Zeilenumbrüche auf den Spline gelegt. Dies liegt daran, dass Spline-Effektoren keine Möglichkeit zur Beschränkung des Effekts auf MoGraph Selektion haben. Aber kein Problem! Erinnern Sie sich noch an das MoGraph Gruppe-Objekt? Dieses bot die Möglichkeit, eine Selektion zu verwenden. Wir rufen daher einfach zwei dieser Gruppe-Objekte ab, tragen dort je eine der beiden erzeugten MoGraph Selektionen ein und verlinken diese Gruppe-Objekte dann in der Effektoren-Liste für die Buchstaben des MoText-Objekts. Die Abbildungen 5.172 und 5.173 tragen noch einmal diese Einstellungen zusammen.

Animation in Cinema 4D - Einstellungen der Spline-Effektoren und der Gruppe-Objekte

Abbildung 5.172: Einstellungen der Spline-Effektoren und der Gruppe-Objekte

Animation in Cinema 4D - Beschränkung von Spline-Effektoren über Gruppe-Objekte

Abbildung 5.173: Beschränkung von Spline-Effektoren über Gruppe-Objekte

Ich hoffe, daran ist das Grundprinzip des MoText und der Beeinflussung seiner Elemente mit Effektoren klar geworden. Wie bereits am Klon-Objekt demonstriert, eignet sich auch der MoText wieder für die Kombination mit Dynamics. Darauf möchte ich abschließend eingehen.

MoText und Dynamics

Viele Typo-Animationen haben z. B. mit fallen Worten, Zeilen oder Buchstaben zu tun. Derartige Effekte sind dank Dynamics Body-Tags schnell erstellt. Wir nehmen dafür einfach das MoText-Objekt aus dem letzten Beispiel als Basis und ergänzen daran ein Rigid Body-Tag. Deaktivieren Sie beide Gruppe-Einträge am MoText, damit der Text wieder horizontal vor uns steht. Ziehen Sie dafür die entsprechenden Stärke-Regler unterhalb der Effektoren-Liste im Buchstaben-Bereich des MoText-Objekts auf 0% oder klicken Sie auf die grünen Häkchen hinter den Gruppe-Objekten in der Effektoren-Liste. An einem normal ausgerichteten Text lassen sich vorerst die verschiedenen Optionen des Tags am besten vorführen. Besonders wichtig sind dabei die Einstellungen im Kollision-Bereich des Tags.

Dort legen Sie über das Menü für Individuelle Elemente fest, welche Klone jeweils für die Kollisionsberechnung zusammengefasst werden. Um dies zu testen, habe ich unter dem MoText eine einfache Ebene platziert und diese mit einem dynamischen Kollisionsobjekt-Tag versehen. Wählen wir Individuelle Elemente Aus am Rigid Body-Tag des MoTexts aus, fällt der gesamte Text wie ein zusammenhängender Block auf die Ebene und kippt dort wahrscheinlich um, so wie es links oben in Abbildung 5.174 zu sehen ist. Mit Individuelle Elemente Oberste Ebene werden die Zeilen am MoText separat behandelt. Die Lücke zwischen den Zeilen kann sich daher verändern und die Zeilen können sich unabhängig voneinander z. B. verdrehen. Die ist rechts oben in der gleichen Abbildung zu erkennen. Die Einstellung für Zweite Ebene meint die Worte am MoText, die sich daraufhin individuell auf der Ebenen verteilen, nachdem der MoText nach unten gefallen ist (siehe linke untere Ecke von Abbildung 5.174). Schließlich werden mit Individuelle Elemente Alle die Buchstaben und Zeichen des MoTexts individuell auf Kollisionen überprüft und verstreuen sich dadurch wie Puzzleteile auf der Ebene (siehe rechts unten in Abbildung 5.174).

Animation in Cinema 4D - Ergebnisse verschiedener Individuelle Elemente-Einstellungen am Dynamics Body-Tag

Abbildung 5.174: Ergebnisse verschiedener Individuelle Elemente-Einstellungen am Dynamics Body-Tag

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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