MoGraph: Die Effektoren – Der Erben-Effektor

Dieser Effektor erlaubt uns, Positionen, Skalierungen und Winkel zwischen zwei Klon-Objekten zu mischen. Zudem kann z. B. die Bewegung eines Objekts mit einer zeitlichen Verzögerung auf Klone übertragen werden. Es stehen also verschiedene Modi zur Verfügung, die Sie über die Effektor-Einstellungen erreichen können.

Der Erbmodus Direkt ist sicherlich die einfachste Einstellung. Hier gibt es keine weiteren Optionen zu beachten. Sie ziehen einfach nur ein beliebiges Objekt aus dem Objekt-Manager in das Objekt-Feld des Effektors. Wird dieses Objekt nun bezüglich seiner Position, Skalierung oder seines Winkels verändert, überträgt sich dies sofort auf die zugewiesenen Klone. Dabei werden die Veränderungen relativ zu den aktuellen Positionen der Klone berechnet. Über die Parameter-Einstellungen des Effektors können Sie einzelne Bestandteile, wie Position, Skalierung und Winkel aber auch deaktivieren, um diese Eigenschaften des zugewiesenen Objekts nicht zu übertragen. Die folgende Abbildung 5.90 soll Ihnen einen ersten Eindruck vermitteln, wie mit diesem Effektor umgegangen werden könnte. Sie erkennen dort einen schlanken Würfel, der über ein Klon-Objekt linear dupliziert und zu einer senkrecht stehenden Mauer vervielfältigt wird. Dieser Würfel wird als zusätzliche Kopie ein Mal außerhalb des Klon-Objekts im Objekt-Manager platziert. Diese Kopie habe ich Master genannt und zusätzlich mit einem roten Material versehen. Ich stelle diesen Master-Würfel direkt bündig links neben die aufgereihten Klone. Das Ergebnis ist ebenfalls links oben in Abbildung 5.90 zu erkennen.

Animation in Cinema 4D - Vererben von Zuständen mittels Erben-Effektor

Abbildung 5.90: Vererben von Zuständen mittels Erben-Effektor

Erstellen wir nun einen Erben-Effektor und weisen diesen dem Klon-Objekt in seiner Effektoren-Liste zu. Der Effektor benutzt vorerst den Erbmodus Direkt und bekommt unseren Master-Würfel als Objekt zugewiesen. Das Ergebnis ist bereits links unten in Abbildung 5.90 zu erkennen. Der erste Würfel-Klon des Klon-Objekts rutscht automatisch auf die Position des Master-Würfels. Alle anderen Klone rücken entsprechend nach, behalten also dadurch ihre Abstände zueinander, so wie diese im Klon-Objekt definiert wurden. Wenn Sie nun den Master-Würfel verschieben, drehen oder über seine Achslängen skalieren (z. B. durch das Skalieren im Objekt bearbeiten-Modus), verändern sich die Klone simultan mit. Um dies etwas spannender zu gestalten können Sie die Abnahme am Effektor aktivieren. Die folgende Abbildung 5.91 zeigt z. B. das Resultat, nachdem der Effektor über eine kugelförmige Abnahme beschränkt und ungefähr in der Mitte der Klonreihe platziert wurde. Eingeblendete Halbkreise deuten dabei die Größe der roten und gelben Abnahmeradien an. Zur Verdeutlichung des Effekts wurde zudem der rote Master-Würfel um 90° rotiert, sodass er parallel zum Boden liegt.

Animation in Cinema 4D - Wirkung der Abnahme eines Erben-Effektors

Abbildung 5.91: Wirkung der Abnahme eines Erben-Effektors

Aus meiner Sicht noch spannender ist jedoch der Erbmodus Animation, denn hier können wir u. a. einen zusätzlichen Zeit-versatz für die Übertragung der Daten vom Objekt auf die Klone benutzen. Sie finden dazu zusätzliche Einstellungen in der unteren Hälfte der Effektor-Einstellungen am Erben-Effektor. Zudem werden in diesem Modus Veränderungen immer relativ umgesetzt. Der erste Klon übernimmt daher nicht zwingend die Position des zugewiesenen Objekts.

Schauen wir uns dort zuerst das Raum transformieren-Menü an. Dieses gibt an, welches Bezugssystem für die Übernahme von Positionen, Winkeln und Skalierungen genutzt werden soll. Werfen Sie zur Verdeutlichung einen Blick auf die rechte Seite von Abbildung 5.92. Wie Sie dort erkennen können, wurden die Klone unserer Szene nun einheitlich um 90° gegenüber dem Master-Würfel um die H-Achse gedreht. Wird der Master-Würfel nun um 90° um seine P-Achse rotiert. vollziehen die Klone diese Drehung mit Raum transformieren Klon ebenfalls um ihre P-Achse. Dies ist mittig auf der linken Seite von Abbildung 5.92 zu erkennen. Mit Raum transformieren Generator wird hier das Achsensystem des Klon-Objekts benutzt. Entsprechend rotieren die Klone nun ganz anders, so wie es unten links in Abbildung 5.92 festgehalten wurde.

Animation in Cinema 4D - Veränderung des Resultats durch verschiedene Raum transformieren-Vorgaben

Abbildung 5.92: Veränderung des Resultats durch verschiedene Raum transformieren-Vorgaben

Vorausgesetzt das zugewiesene Objekt wurde bereits über Keyframes animiert, so legen Sie mit dem Animation-Menü am Effektor fest, ob der Zustand am Anfang oder am Ende dieser Animation die Ausgangsbasis für die Klone sein soll. Animation Von (raus) dürfte der Normalfall sein, denn damit ist die Startstellung der Klone mit dem Anfang der zugewiesenen Objekt-Animation synchronisiert. Bei Animation Zu (rein) wird der Schlusszustand des zugewiesenen Objekts als Basis für die Startstellung der Klone herangezogen. Die Animation des zugewiesenen Objekts kann über Start und Ende beliebig skaliert werden. Stellen Sie sich vor, unser Master-Würfel kippt zwischen den Animationsbildern 0 und 5 aus der senkrechten Startstellung in eine Endstellung, parallel zum Boden der Szene. Wenn Sie nun Start 0 und Ende 5 benutzten, fallen die Klone mit exakt der gleichen Geschwindigkeit direkt ab Bild 0 der Animation. Mit Start 50 und Ende 55 würden die Klone erst ab Bild 50 anfangen zu rotieren, jedoch ebenfalls wieder mit der gleichen Geschwindigkeit wie der Master-Würfel. Durch Veränderung des Wertabstands zwischen Start und Ende können Sie folglich die Geschwindigkeit der Wiedergabe steuern. Mit Start 0 und Ende 50 wäre somit die Rotation der Klone zehnfach verlangsamt. Mithilfe der Schrittlücke lässt sich nun noch der Zeitversatz zwischen den Klonen einstellen.

Animation in Cinema 4D - Zeitliche Verzögerung der Animationsübernahme durch die Schrittlücke

Abbildung 5.93: Zeitliche Verzögerung der Animationsübernahme durch die Schrittlücke

Wie in Abbildung 5.93 festgehalten, lasse ich die Klone wieder die Rotation des Master-Würfels übernehmen. Diese Animation ist eigentlich nur 5 Bilder lang, wird jedoch durch Start 0 und Ende 50 zehnfach verlangsamt übernommen. Zusätzlich benutze ich Schrittlücke 3 B. Dadurch wartet jeder Klon 3 Animationsbilder zusätzlich ab, bevor er mit der Übernahme der Animation beginnt. Die Folge ist eine Art Welle, die sich langsam durch die Klone vorarbeitet, bis auch der letzte Klon beginnt sich zu neigen. Die rechte Hälfte der Abbildung 5.93 zeigt die Zwischenphase so einer Animation. Zudem finden wir noch eine Option für Animation loopen im Dialog. Hiermit wird die Animation des zugewiesenen Objekts automatisch wiederholt, wenn einer der Klone am Endzustand des animierten Objekts angekommen ist. Damit dabei kein harter Sprung entsteht, sollten Sie selbst bereits bei der Animation des zugewiesenen Objekts dafür sorgen, dass dieses wieder zurück zum Anfangszustand animiert wird. Im einfachsten Fall reicht es aus, das jeweils erste Keyframe des Objekts zu duplizieren und an das Ende der Animation zu verschieben.

Animation in Cinema 4D - Auf der Abnahme basierende Übernahme von Objektzuständen

Abbildung 5.94: Auf der Abnahme basierende Übernahme von Objektzuständen

Schließlich gibt es noch eine Option für Abnahmebasierend. Die Wirkung ist in Abbildung 5.94 beispielhaft mit einer linearen Abnahmeform des Effektors festgehalten. In diesem Modus werden die Animationszustände des zugewiesenen Objekts entsprechend der individuellen Klon-Abnahme übernommen.

Animation in Cinema 4D - Überblenden zwischen verschiedenen Klone erzeugende Objekten

Abbildung 5.95: Überblenden zwischen verschiedenen Klone erzeugende Objekten

Liegt ein Klon also im Zentrum der Abnahme, zeigt er den Endzustand der Animation an. Klone am Rand der Abnahme zeigen den Startzustand des animierten Objekts. Es kommt in diesem Modus also nicht länger zu einer Animation der Klone. Die Klone sind jeweils statisch und nur von der Form und Stärke der Abnahme und der Position des Effektors abhängig.

Kommen wir schließlich noch zu der Option Morph Motion-Objekt, die nur im Erbmodus Direkt angeboten wird, sofern als Objekt ein Klone erzeugendes Objekt, wie z. B. ein Matrix- oder Klon-Objekt zugewiesen wurde. Alle anderen Optionen und Parameter fallen dann weg. Der Effekt wird später hauptsächlich über die Stärke des Effektors eingestellt. Wie üblich auch hierzu ein kleines Beispiel zum einfachen Verständnis der Funktion. Wie in Abbildung 5.95 zu sehen, habe ich ein Landschaft-Objekt Form 1 genannt und eine Kugel Form 2. Beide Objekte stehen sich mit einem Spalt dazwischen gegenüber. Anschließend wurden zwei Matrix-Objekte erstellt. Deren Einstellungen entsprechen denen eines Klon-Objekts, nur dass hiermit nicht direkt Objektkopien erzeugt werden können. Stattdessen entstehen Matrizen, auf die dann ein Klon-Objekt wieder Kopien von Objekten legen kann. Wir hatten dieses Prinzip bereits besprochen.

Beide Matrix-Objekte verwenden den Modus Objekt mit Generieren Nur Matrizen und einer Verteilung Oberfläche. Als Anzahl stelle ich vorerst 100 bei beiden Matrix-Objekten ein. Das eine Matrix-Objekt bekommt Form 1, das andere Form 2 als Objekt zugewiesen. Schließlich erstellen wir noch einen Erben-Effektor und ziehen diesen in die Effektoren-Liste des Matrix-Objekts, das mit Form 1 verbunden wurde. Wenn Sie nun den Stärke-Regler des Erben-Effektors zwischen 0% und 100% bewegen, sollten Sie bereits die Platzhalter-Würfel des Matrix-Objekts zwischen beiden Formen hin und her wandern sehen. Um diese Platzhalter als echte Objekte zu visualisieren, rufen Sie ein Klon-Objekt im Modus Objekt auf und weisen das Matrix-Objekt der Form 1 als Objekt zu. Gruppieren Sie anschließend z. B. eine neue Kugel unter dem Klon-Objekt ein (siehe auch Abbildung 5.96).

Animation in Cinema 4D - Mischung der Klon-Zustände per Erben-Effektor

Abbildung 5.96: Mischung der Klon-Zustände per Erben-Effektor

Die Abbildung 5.96 zeigt auf der linken Seite ein mögliches Ergebnis. Dort würde die Stärke des Effektors auf 50% reduziert. Folglich liegen die Klone nun auf halber Strecke zwischen dem Landschafts- und dem Kugel-Objekt. Damit derartige Effekte möglichst glaubhaft bleiben, sollten die Klon-Anzahlen zwischen den beiden Objekten identisch sein. Ansonsten kommt es dazu, dass beim Abmischen der Effektor-Stärke plötzlich Klone verschwinden oder neue auftauchen. Neben der Position der Klone können zusätzlich auch deren Skalierung und Ausrichtung gemischt werden. Dafür sorgen die Optionen des Effektors auf seiner Parameter-Einstellungsseite.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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