Grundlagen der Animation: Die Menüpunkte der Zeitleiste – Das Ansicht-Menü – Teil 7

Tutorials 29. Oktober 2015 – 0 Kommentare

Motionquellen und Motion Clips

Wie in Abbildung 1.143 zu sehen, werden Sie neue Einträge in der linken Spalte der Zeitleiste im Motionmodus bemerken. Dabei handelt es sich um sogenannte Motionquellen. Darunter können Sie sich Container vorstellen, die alle Keyframes der ursprünglichen Animationsebenen enthalten. Die Start- und Endbilder, sowie die Lauflänge der in der Motionquelle gespeicherten Animation können Sie rechts neben den Namen der Quellen ablesen. Die Namen der Motionquellen lassen sich durch Doppelklick ggf. editieren. Die Motionquellen werden nur angezeigt, wenn dies über Anzeigen > Filter > Motionquellen anzeigen in der Zeitleiste aktiviert wurde. Damit Motionquellen auf ein Objekt oder eine Hierarchie wirken können, müssen Instanzen davon zugewiesen werden. Durch das Umwandeln der Animationsebenen zu Motionquellen ist dies bereits automatisch geschehen. Sie erkennen dies daran, dass in der mittleren Spalte der Zeitleiste bereits beide Ebenen zu sehen sind und auch in der rechten Spalte der Zeitleiste Balken auftauchen, die diese Motion Clips in der Zeit anzeigen. Die Verknüpfung zwischen den Animationen und den animierten Objekten stellt weiterhin das Motion-Tag her, das durch die Nutzung der Motion Clips keinesfalls seine Funktion verloren hat.

Aus Animationsebenen konvertierte Motion Clips in der Zeitleiste

Abbildung 1.143: Aus Animationsebenen konvertierte Motion Clips in der Zeitleiste

Wie Sie Abbildung 1.144 entnehmen können, werden dort nun die alten Animationsebenen nur noch ausgegraut angezeigt. Einzig die Voreingestellte Ebene ist dort noch aktiv, die weiterhin die Basis für die relativ hinzugefügte Animation der Motion Clips bietet. Dies ist fortan auch die einzige Ebene, deren Keyframes Sie noch in der Zeitleiste angezeigt bekommen.

Veränderte Darstellung des Motion-Tags

Abbildung 1.144: Veränderte Darstellung des Motion-Tags

Da das Motion-Tag weiterhin als Bindeglied zwischen den Animationen und Objekten wichtig ist, sollte dies nun weder hierarchisch anders einsortiert oder gar gelöscht werden. Die Animation würde sich dadurch in der Regel verändern.

Die Möglichkeiten zum Animieren der Mischstärke zwischen den Motion Clips, also den ursprünglichen Animationsebenen, bleiben Ihnen erhalten. Der einzige Unterschied zur Darstellung der Animationsebenen besteht darin, dass die Interpolationskurve für animierte Mischstärken hier unterhalb der Balkendarstellung der Motion Clips erfolgt. Dazu muss das kleine Dreieck vor dem Namen des Clips also erst aufgeklappt werden, so wie es bereits in Abbildung 1.143 zu sehen war.

Wie bereits beschrieben, verhalten sich Motion Clips wie Instanzen der jeweiligen Motionquelle. Bei einem Klick in den Balken eines Clips auf der rechten Seite der Zeitleiste erhalten Sie daher auch entsprechende Parameter im Attribute-Manager (siehe Abbildung 1.145).

Veränderte Darstellung des Motion-Tags

Abbildung 1.145: Parameter der Motion Clips und Darstellung der Ghosts

Der Eintrag für die Quelle informiert den Clip darüber, aus welcher Motionquelle die Animation kopiert werden soll. Die Option für Ghosts anzeigen sorgt im Zusammenspiel mit der Farbe für eine Darstellung der jeweiligen Position-Animation in der Motionquelle. Diese Ghosts werden jedoch nur als Punkte dargestellt, so wie es in der rechten Hälfte der Abbildung 1.145 durch den Mauszeiger angezeigt wird. Durch Verriegeln kann der Motion Clip geschützt werden. Eine Skalierung oder Verschiebung über die Parameter im Attribute-Manager oder direkt in der Zeitleiste ist dann nicht mehr möglich. Die Animation des Motion Clips wird dabei jedoch normal wiedergegeben.

Die Einträge für Start und Ende können zum Positionieren und Skalieren des Clips genutzt werden. Würden Sie in diesem Beispiel also Ende auf 50 reduzieren, läuft die Animation dieses Motion Clips doppelt so schnell ab und ist somit bereits nach der Hälfte der ursprünglich animierten Zeit abgelaufen. Da der Clip selbst keine Keyframes enthält, können Sie beliebig mit dessen Geschwindigkeit und Lauflänge experimentieren. Das Original der Animation ist jederzeit sicher in der Motionquelle gespeichert. Auch die Möglichkeit zur Wiederholung der Motion Clip-Animation ist gegeben, ohne die ursprüngliche Animation editieren zu müssen. Tragen Sie unter Loops einfach die gewünschte Anzahl an Wiederholungen ein. Die Option für Relativer Loop analysiert bei Wiederholungen zusätzlich die Veränderung am Ende einer Wiederholung und verändert den Start der nachfolgenden Wiederholung entsprechend. Wir haben darüber bereits bei der Besprechung der Offset Wiederholung für Animationsspuren gesprochen.

Überblenden von Motion Clips

Abbildung 1.146: Überblenden von Motion Clips

Die Animation einer Figur, die einen Schritt nach vorne tut, kann auf diese Weise mehrmals wiederholt werden, um die Figur eine längere Wegstrecke geradeaus gehen zu lassen. Motion-Clips lassen sich aber auch ineinander überblenden. Dies steuern Sie über den unteren Teil der Basis-Einstellungen eines Motion Clips. Dazu müssen jedoch mindestens zwei Motion Clips innerhalb der gleichen Ebene vorhanden sein. Momentan sind bei uns jedoch beide Clips noch in separaten Ebenen.

Um neue Clips zu ergänzen, bedienen Sie sich in der Regel aus den bereits vorhandenen Clips der Motionquellen, so wie es Abbildung 1.146 demonstriert. Sie ziehen also von dort die gewünschte Motionquelle mit der Maus auf die rechte Seite der Zeitleiste. Platzieren Sie dort den Mauszeiger rechts neben der gewünschten Ebene in einem leeren Bereich. Der Mauszeiger verändert dadurch sein Aussehen und zeigt zusätzlich ein eingerahmtes Pluszeichen mit einem nach links weisenden Pfeil. Das typische Einfügen-Symbol, das Sie bereits aus dem Objekt-Manager kennen (siehe Abbildung 1.146). Auf diese Weise können sowohl der gleiche Motion Clip mehrfach nacheinander platziert werden, als auch unterschiedliche Motion Clips. Nach dem Lösen der linken Maustaste erscheint dann der Motion Clip der entsprechenden Motionquelle als neuer Balken in der Animationsebene.

Motion Clips lassen sich anschließend mit der Maus seitlich verschieben, in der Zeit also beliebig platzieren. Dabei können Lücken zwischen den Clips verbleiben. Es können aber auch Überlappungen erzeugt werden, so wie es der rote Kreis in Abbildung 1.146 zeigt. Die überlappenden Bereiche werden schraffiert angezeigt und durch zusätzlich eingeblendete Bildnummern werden der Start und das Ende der Überblendung angezeigt. In solchen Fällen werden nun auch die bereits angesprochenen Parameter für die Überblendung interessant, die Sie nach der Selektion eines Motion Clips unter dem Basis-Reiter im Attribute-Manager wiederfinden (siehe auch Abbildung 1.145). Ist Auto Überblendbereich aktiv, wird das Ausblenden des vorhergehenden Clips automatisch über die gesamte Überlappungszeit beider Clips animiert. Wichtig ist daher, dass die Überblendung immer von dem Clip ausgeht, der zeitlich früher platziert wurde. Im Beispiel der Abbildung 1.145 ist dies also der gelb umrandete Clip der Ebene 1.

Den Übergang der Überblendung legen Sie über das Überblenden-Menü fest. Sie finden hier viele alte Bekannte, wie z. B. Easy Ease, Linear, Ease In oder Ease Out wieder, Standardformen der Interpolationskurven, die wir bereits benutzt haben.

Mit der Einstellung Aus wird eine weiche Überblendung ganz unterdrückt. Der Übergang zwischen sich überlappenden Clips findet dann sprunghaft nach dem Ende der vorhergehenden Clips statt. Ansonsten ermöglicht Ihnen der Modus Spline auch das Überblenden mit einer manuell gesetzten Kurve. Unterhalb des Überblenden-Menüs wird Ihnen dazu ein Spline-Dialogfeld angeboten, das Sie so bereits auch von anderen Stellen aus dem Programm kennen. Wir sind in Band 1 des Kompendiums z. B. bei der Besprechung des Sweep-Objekts bereits ausführlich auf die Möglichkeiten dieses Dialogelements eingegangen.

Sofern Sie Auto Überblendbereich ausschalten, können Sie mit Überblenden Start und Überblenden Ende auch selbst festlegen, an welchen Stellen der Clip-Überlappung eine Überblendung starten und abgeschlossen sein soll. Da hierbei in der Regel nicht der gesamte Überlappungsbereich genutzt wird, gehen jedoch Teile der Motion Clips verloren, bzw. werden nicht ausgewertet. Sofern dies gewollt ist, um z. B. den Übergang zwischen verschiedenen Motion Clips harmonischer zu gestalten, können Motion Clips auch getrimmt, also beschnitten werden. Wir kommen darauf zurück, wenn wir gleich noch die fortgeschrittenen Optionen der Motion Clips besprechen.

Aber auch wenn sich angrenzende Motion Clips nicht überlappen, kann eine weiche Überblendung dazwischen berechnet werden. Für diese Funktion muss Lücke überblenden zusätzlich zum Auto Überblendbereich aktiviert werden. Der Zeitraum zwischen den Motion Clips wird dann genutzt, die Endstellung der animierten Elemente vom Ende des ersten Clips an die Anfangsstellung der Elemente im folgenden Clip anzupassen. Je größer die zeitliche Lücke zwischen den Clips ist, desto weicher kann also auch diese Überblendung erfolgen.
Eine andere Form der Überblendung von Motion Clips stellt die Reduzierung der Mischstärke dar. Dabei werden die Motion Clips also so wie in unserem konvertierten Beispiel in Ebenen übereinander angeordnet. Motion Clips lassen sich dabei nicht nur absolut oder relativ hinzumischen, sondern auch additiv. Die entsprechenden Einstellungen dazu finden Sie beim Anklicken einer Animationsebene im Attribute-Manager. Verwendet die Animationsebene Motion Clips, werden dort auch alle Optionen freigeschaltet, die zuvor bei der Verwendung von Animationsebenen teilweise noch ausgegraut waren (siehe Abbildung 1.147).

Die Parameter der Animationsebenen

Abbildung 1.147: Die Parameter der Animationsebenen

So haben Sie nun z. B. freien Zugriff auf den Modus und können so die Wirkung der Ebene auch nachträglich noch zwischen Mischen, Relativ und Absolut umschalten. Mischen steht für einen additiven Modus. Die in den Clips enthaltenen Animationen werden also entsprechend der Mischstärke der Ebenen aufaddiert. Seien Sie in diesem Modus besonders bei Animationen der Objektgröße vorsichtig, damit das Resultat kontrollierbar und vorhersehbar bleibt.

Bei Relativ erfolgt eine Interpolation zwischen identischen Animationsspuren in den Motion Clip-Ebenen. Dieser Modus funktioniert also exakt wie bei der Besprechung der Animationsebenen im Motion-Tag beschrieben. Die Werte werden mathematisch gesehen gemorpht, was mit folgender Formel beschrieben werden kann:
Ergebniswert = Wert_Ebene1 + Mischwert * ( Wert_Ebene2 – Wert_Ebene1 )

Bei Mischwerten zwischen 0% und 100% kommen also auch nur Werte heraus, die so bereits Bestandteil der beteiligten Motion-Ebenen sind.
Der letzte angebotene Modus nennt sich Absolut. Dabei werden absolut die Werte verwendet, die in der Ebene animiert werden (vorausgesetzt, die Mischstärke liegt bei 100%). Eine Motion Clip-Ebene im Modus Absolut wird dadurch alle Animationen überdecken, die in der Zeitleiste tiefer liegen. Dieser Modus macht also nur dann Sinn, wenn der Mischmodus unter 100% reduziert wird, da ansonsten die tieferen Ebenen im Zeitbereich des Clips gar nicht zum Zuge kommen. In diesem Zusammenhang mag noch interessant sein, dass Sie die Reihenfolge der Motion-Clips auch per Drag&Drop in der Zeitleiste verändern können.

Die folgenden Optionen sind wieder etwas einfacher zu verstehen. Die Stumm-Option entspricht dem Filmstreifen-Symbol in der Zeitleiste und schaltet daher generell die Auswertung der Animation in diesem Element ein oder aus. Auch die Solo-Option ist dort bereits als Icon bekannt und ermöglicht die selektive Aktivierung nur einzelner Animationsspuren, Ebenen oder Motion Clips.

Durchlassen ist wieder eine neue Funktion und betrifft die zeitliche Lücke zwischen benachbarten Motion Clips, die auf einer Ebene liegen. Sofern Durchlassen aktiv ist, werden in der Lücke zwischen den Clips weiterhin auch die Motion Clips ausgewertet, die tiefer einsortiert wurden. Ohne diese Option wird der letzte Animationswert praktisch gehalten und entsprechend der Modus-Einstellung dieses Clips bis zum nachfolgenden Clip-Anfang gezogen. Sofern der Clip den Modus Absolut verwendet und mit einer Stärke von 100% arbeitet, werden dann also auch zwischen den Clips tiefer liegende Ebenen verdeckt. Dies ist jedoch abhängig vom gewählten Modus und natürlich von der Mischstärke der Motion Clips.
Kommen wir thematisch noch einmal zurück zum Überblenden von Motion Clip-Ebenen durch Animieren der Mischstärke der Ebenen. Wir haben dies ja im Prinzip schon betrachtet, indem wir die Stärke einer Animationsebene animiert hatten. Soll jedoch ein Clip ganz ausgeblendet werden, um einen tiefer liegenden Motion Clip zu zeigen, gibt es noch eine einfachere Methode.

Stellen Sie sich dazu ein Szenario wie in Abbildung 1.148 vor. Dort sehen Sie in der oberen Bildhälfte die Ausgangslage mit einem längeren Clip unter dem ein kürzerer Clip liegt. Die Aufgabe besteht nun darin, den oberen Clip so aus- und wieder einzublenden, dass der kurze Clip während seiner Lauflänge zu sehen ist. Dazu gehen Sie in das Motionsystem-Menü der Zeitleiste und wählen dort den Eintrag für Übergang erstellen aus. Beachten Sie, dass es sich hierbei um ein Werkzeug handelt, dass nach der Benutzung durch erneuten Aufruf von Übergang erstellen auch wieder ausgeschaltet werden muss.

Automatisches Überblenden mit der Funktion Übergang erstellen

Abbildung 1.148: Automatisches Überblenden mit der Funktion Übergang erstellen

Mit gehaltener linker Maustaste ziehen Sie dann mit aktivem Übergang erstellen-Werkzeug eine Verbindungslinie vom oberen auf den unteren Clip, so wie es der weiße Pfeil in Abbildung 1.148 andeutet. Sobald Sie anschließend die linke Maustaste wieder lösen, werden automatische Keyframes für die Mischstärken dieser beiden Motion Clips erstellt. Diese sorgen dafür, dass der obere Clip im gleichen Maß in seiner Wirkung reduziert wird, wie der untere Clip an Stärke gewinnt. Am Ende des kurzen Clips werden erneut Keyframes für die Stärke gesetzt, die diese Überblendung wieder zurücknehmen. Mit dem Ende des kurzen Motion Clips hat der obere Clip damit wieder seine volle Stärke (siehe untere Hälfte der Abbildung 1.148).

Natürlich ließe sich dies auch durch manuell gesetzte Keyframes realisieren, aber so geht es natürlich schneller. Damit sollten alle Eventualitäten und Techniken zum Überblenden von Motion Clips abgehandelt sein. Lassen Sie uns daher mit der Besprechung der Einstellungen fortfahren, die nach dem Anklicken eines Motion Clip-Balkens im rechten Teil der Zeitleiste im Attribute-Manager angezeigt werden.

Neben den nun bereits vollständig besprochenen Basis-Einstellungen finden Sie dort auch einen Reiter für die Hierarchie. Handelt es sich bei den in der Motionquelle animierten Objekten um eine Objektgruppe und nicht nur um ein einzelnes Objekt, finden Sie hier alle Bestandteile dieser Objekthierarchie aufgelistet. Zusätzlich ermöglichen Ihnen Schaltflächen vor jedem Eintrag diesen in der Motionquelle zu deaktivieren und damit dessen Animation nicht länger auszuwerten. Da in unserem kleinen Beispiel nur ein Würfel animiert wurde, findet sich in Abbildung 1.149 auch nur ein Eintrag, der jedoch ebenfalls über das Häkchen dahinter an- und ausgeschaltet werden kann.

Weitere Einstellungen eines Motion Clips

Abbildung 1.149: Weitere Einstellungen eines Motion Clips

Weiter geht es mit der Rubrik Fortgeschritten, die auf der rechten Seite der Abbildung 1.149 zu sehen ist. Diese Sektion beginnt mit zwei Zahlenwerten für das sogenannte Trimmen. Damit ist das Beschneiden des Motion Clips gemeint. Die Einstellung für ∆ Start kürzt den Motion Clip am Anfang, lässt also die eingestellte Anzahl an Bildern weg. Der Wert für ∆ Ende lässt folglich Bilder am Ende des Clips weg. Dabei wird also in beiden Fällen die Geschwindigkeit der Animation im Clip nicht verändert, sondern nur die Lauflänge des Clips.
Der nächste Teil dieser Einstellungsseite widmet sich dem Pivot. Damit ist ein separates Objekt gemeint, das zum räumlichen Verschieben, Skalieren oder Drehen der Animation im Motion Clip benutzt werden kann. Stellen Sie sich z. B. die Motion Clip-Animation einer Figur vor, die geradeaus läuft. Diese Figur soll nun jedoch um eine Hausecke herumlaufen. Dazu müsste ja eigentlich nur die Laufrichtung verändert werden, ohne dass eine komplett neue Animation dafür erzeugt werden müsste. Die Lösung besteht darin, dem Motion Clip ein Pivot-Objekt zuzuweisen. Wird dieses Objekt gedreht, verändert sich dadurch auch das Koordinatensystem der Motion Clip-Animation und die Laufrichtung der Figur kann beliebig gedreht oder z. B. an eine andere Stelle im 3D-Raum verschoben werden.

Das Pivot-Objekt selbst können Sie entweder manuell über das Animieren-Menü von Cinema 4D aufrufen oder Sie benutzen die Pivot erstellen-Schaltfläche direkt unterhalb des Pivot-Felds. In diesem Fall wird das Pivot automatisch an der Position des animierten Objektsystems platziert und mit dem Pivot-Feld verlinkt.
Bei manueller Erzeugung des Pivots müssen Sie das Objekt selbst per Drag&Drop aus dem Objekt-Manager in das Pivot-Feld des Motion Clips im Attribute-Manager ziehen. Die Schaltfläche Pivot mit Key erstellen bewirkt ansonsten das gleiche wie die Pivot erstellen-Schaltfläche, nur dass hierbei bereits automatisch Keyframes für die aktuelle Position, Rotation und Größe des Pivots erzeugt werden.

Das Pivot-Objekt selbst ist einem einfachen Null-Objekt sehr ähnlich, denn auch der Pivot wird später beim Rendering nicht mehr sichtbar sein. Es ist also ein reines Hilfsobjekt. Die Darstellungsgröße des Objekts kann über einen Radius-Wert in den Objekt-Einstellungen des Pivots beliebig gewählt werden. Die Darstellung im Editor entspricht ansonsten einem einfachen Achsensystem mit orangefarbigen Rotationsbändern, so wie es auch die Abbildung 1.150 zeigt.

Einstellungen und Darstellung eines Pivot-Objekts

Abbildung 1.150: Einstellungen und Darstellung eines Pivot-Objekts

Die Nutzung eines zugewiesenen Pivot-Objekts ist denkbar einfach. Sie können dieses Objekt beliebig mit Keyframes versehen, um die Animation des Motion Clips zu verschieben, zu skalieren (achten Sie dabei auf die Nutzung des Objekt bearbeiten-Modus, damit die Achsen des Pivots skaliert werden) oder zu drehen. Auf diese Weise kann dann z. B. auch der Motion Clip einer auf der Stelle laufenden Figur benutzt werden, um die Figur einen beliebigen Pfad ablaufen zu lassen.

Da derartige Aktionen, gerade wenn es um Rotationen geht, natürlich einfacher realisiert werden können, wenn das Pivot-Objekt anfangs die gleiche Position wie das animierte Objekt einnimmt, stehen Ihnen die folgenden Schaltflächen als kleine Helferlein zur Verfügung. Dies ist jedoch oft nur nötig, wenn Sie nicht bereits Pivot erstellen oder Pivot mit Key erstellen benutzt haben, sondern den Pivot manuell platzieren.

Mit Snapping auf Startzeit wird das Pivot-Objekt so verschoben, dass es die Position des animierten Objekts am Anfang des Motion Clips einnimmt. Snapping auf Endzeit macht exakt das Gleiche, platziert den Pivot jedoch auf der Position, die das animierte Objekt am Ende des Motion Clips erreicht. Mit Snapping auf aktuelle Zeit kann der zugewiesene Pivot auf die momentane Position des animierten Objekts gesetzt werden. Dabei spielt also der aktuelle Stand des Zeitreiters in der Zeitleiste eine Rolle.

Die Skalierung und Rotation des Pivots werden bei allen drei Befehlen jedoch, anders als in der online Hilfe von Cinema 4D beschrieben, nicht auf die Standardwerte zurückgesetzt. Der Pivot behält also immer seine aktuelle Rotation und Größe bei. Beachten Sie zudem, wenn Sie Motion Clips in Ebenen übereinander verwenden, dass dann jede dieser Animationsebenen den gleichen Pivot erhalten sollte. Ansonsten kann z. B. die Animation nicht als Ganzes verschoben oder gedreht werden, bzw. die Animation wird wahrscheinlich in ihrem Ablauf verändert werden. Zudem mag noch interessant sein, dass sich natürlich mehrere Pivot-Objekte in der Szene verwenden lassen. Sogar der gleiche Motion Clip kann mehrere Pivots nacheinander nutzen, wenn der Eintrag für Pivot animiert wird. Dazu finden Sie das bekannte Kreis-Symbol vor dem Pivot-Feld des Motion Clips, über das Sie durch Anklicken Keyframes für die aktuell zugewiesenen Pivot-Objekte erstellen können. Der Wechsel zwischen den Pivots erfolgt dann jedoch hart beim Erreichen eines neuen Keyframes, in dem ein anderes Pivot-Objekt gespeichert wurde.

Schließlich finden Sie als letztes Dialogelement noch eine Timing-Kurve, die dem gleichen Prinzip einer Zeit-Animationsspur folgt. Hiermit kann also das Zeitverhalten des Motion Clips verändert werden. Standardmäßig zeigt die Kurve einen linearen Verlauf von links unten nach rechts oben, was einem linearen Zeitverlauf über die Cliplänge hinweg entspricht. Durch das Hinzufügen weiterer Punkte auf dieser Kurve und durch die Arbeit mit den Tangenten kann das Zeitverhalten beliebig angepasst werden, um die Animation eines Clips z. B. langsamer starten zu lassen und dann gegen Ende zu beschleunigen.

Beachten Sie, dass diese Veränderung nur auf die Animationen innerhalb der Motion Clips wirkt. Werden Loops, also Wiederholungen, mit dem Motion Clip genutzt, wiederholt sich also das eingestellte Timing für jede Wiederholung. Zudem sollte bei der Verwendung von Motion Clips in Ebenen wieder darauf geachtet werden, die Timing-Kurve ggf. bei allen überlagerten Clips gleich einzustellen, um die Synchronität der Animationen zu gewährleisten.

Sie haben nun bereits viel darüber erfahren, wie Animationen angelegt, mit Animationsebenen verfeinert und durch Motion Clips wie in einem Baukastensystem erweitert werden können. Oft werden Motion Clips jedoch nicht nur aus Animationsebenen konvertiert, sondern direkt aus einer bestehenden Keyframe-Animation entwickelt. Ich möchte Ihnen daher im folgenden Abschnitt eine weitere Methode zeigen, wie Sie Ihre Animationen in Motion Clips überführen können.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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