Grundlagen der Animation: Die Menüpunkte der Zeitleiste – Das Ansicht-Menü – Teil 6

Mehrere Animationsebenen verwalten

Ich denke, die prinzipielle Funktionsweise des Ebenensystems haben Sie nun bereits erkannt. Schauen wir uns daher nun die bislang noch nicht beschriebenen Optionen und Schaltflächen im Dialog des Motion-Tags an. So finden Sie dort eine Hinzufügen-Taste, die Ihnen den Aufruf einer neuen Ebene über das Animieren-Menü abkürzt. Beachten Sie, dass durch Hinzufügen generell nur relative Animationsebenen erzeugt werden. Lassen Sie uns dies doch gleich ausprobieren und benutzen Sie diese Schaltfläche um eine weitere Ebene zu erzeugen. Diese könnten wir z. B. nutzen, um die Animation in die Breite zu ziehen. Setzen Sie dazu ein Position-Keyframe für den Würfel in Bild 0, also mit der Startposition 0,0,0. Ein zweites Keyframe kommt in das letzte Bild der Animation bei Bild 100. Verschieben Sie dazu den Würfel seitlich, entlang der Welt-X-Achse und setzen Sie erneut ein Position-Key. Die Abbildung 1.140 zeigt dazu die aktuellen F-Kurven in der Zeitleiste und die zusätzliche Ebene im Motion-Tag.

Hinzufügen einer weiteren Animationsebene

Abbildung 1.140: Hinzufügen einer weiteren Animationsebene

Auf die Icons hinter den Ebenen sind wir bislang nur teilweise eingegangen, aber diese Symbole sind ja auch nicht ganz neu für Sie. Nur die Ebenen, die einen aktiven Filmstreifen zeigen, werden für die Animation ausgewertet. Ist hingegen an irgendeiner Ebene das Solo-Symbol aktiv, werden alle Ebenen ausgeschaltet, die keinen aktiven Solo-Modus haben. Dies entspricht also exakt dem bekannten Verhalten der Spuren aus der Zeitleiste. Daran erkennen Sie aber auch, dass die Voreingestellte Ebene immer aktiv ist, denn diese bietet diese Icons gar nicht an. Diese Ebene bietet schließlich die Berechnungsbasis für die relativ hinzugefügten Animationsebenen. Ohne sie würde die Animation also in der Regel ganz anders und somit verfälscht wiedergegeben.

Sollten Sie einmal eine Ebene aus Versehen hinzugefügt haben oder nicht mehr benötigen, selektieren Sie diese über das Häkchen davor und betätigen die Löschen-Schaltfläche. Alternativ hierzu kann es ab einer gewissen Anzahl und Komplexität verschiedener Ebenen auch Sinn machen, Ebenen zusammenzufassen. Dies entspricht also dem Reduzieren von Bildebenen auf die Hintergrundebene, um beim Beispiel des Ebenensystems eines Bildbearbeitungsprogramms zu bleiben. Für diese Funktion nutzen Sie den Reduzieren-Knopf. Sind dabei keine Ebenen selektiert, werden automatisch alle Animationsebenen auf die Voreingestellte Ebene reduziert. Sie verlieren dadurch allerdingst die Möglichkeit des individuellen Abmischens der Ebenen.

Um bereits vorhandene Ebenen als Basis für eine neue Ebene zu nutzen, selektieren Sie die entsprechende Ebene über deren Häkchen und verwenden Duplizieren. Schließlich ist Ihnen sicherlich auch aufgefallen, dass die einfache Durchnummerierung der Ebenen nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit beiträgt. Mittels Umbenennen können Sie daher einen separaten Dialog öffnen und dort den gewünschten neuen Namen für eine Ebene eintragen.

Die Schaltfläche für Auf Null setzen fügt der selektierten Ebene Keyframes zum aktuellen Zeitpunkt hinzu. Diese Keywerte werden so eingestellt, dass an dieser Stelle der Animation der Einfluss dieser Ebene auf Null reduziert wird. Sie verändern damit also die F-Kurven der bislang in dieser Ebene erstellten Keyframes. Der Effekt ist somit mit dem Reduzieren des Stärke-Reglers der Ebene auf 0% identisch. In einem Satz zusammengefasst können Sie diese Schaltfläche immer dann während der Animation mit den Animationsebenen nutzen, wenn zu diesem Zeitpunkt nur die unveränderte Animation der Voreingestellten Ebene zu sehen sein soll.

Bevor ich nun die Schaltfläche für In ZL öffnen anspreche, was für In Zeitleiste öffnen steht, möchte ich noch kurz auf die Menüs und Optionen im oberen Teil des Dialogs zurückkommen. Sie finden dort die Option Ghosts anzeigen. Sie haben bereits bei der Besprechung des Darstellung-Tags gesehen, was mit Ghosts gemeint ist, nämlich die überlagerte Darstellung verschiedener Animationsphasen. In diesem Fall wird diese Option jedoch erst dann relevant, wenn wir mit den sogenannten Motion Clips arbeiten. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Animationsebenen. Animationsebenen können nämlich in Motion Clips umgewandelt werden. Öfter kommt es jedoch vor, dass Keyframe-Animationen ohne Umweg direkt in Motion Clips überführt werden. Motion Clips eignen sich nämlich noch besser für das Überblenden einzelner Animationen, ohne sich überhaupt mit Keyframes beschäftigen zu müssen. Wir schauen uns das gleich im Anschluss noch genauer an.

Das bislang noch nicht beschriebene Menü Rotationsmischen lässt sich weit weniger gut in Worte fassen, denn hier geht es nur um die interne Mathematik, die beim Mischen von Drehungen verwendet wird. Es stehen prinzipiell zwei Modi zur Verfügung. Der Eintrag HPB steht für das bekannte Heading/Pitch/Banking-Drehsystem. Dabei werden die drei Drehwinkel des Objekts individuell interpoliert. Nehmen wir ein kleines Beispiel zur Hand. Ein Winkel betrage 0°, 0°, 0°, ein anderer 10°, 20°, 30°. Beim HPB-Drehsystem würden diese Winkel jetzt einfach mathematisch überblendet, also bei einer Mischung von 50% käme die Ausrichtung 5°, 10°, 15° heraus. Dies ist für uns zwar gut nachvollziehbar, kann jedoch in einer Animation zu ungewollten Schlenkern führen, da sich aus dieser Art der Drehung nicht immer der kürzeste Rotationsweg ergibt.

Anders bei der Einstellung Quaternion, denn hierbei wird automatisch versucht, das Objekt auf dem direkten Weg in die nachfolgende Stellung zu bringen. Daraus resultieren dann auch ganz andere Winkel, in unserem Beispiel z. B. 6,264°, 9,353° und 15,219°. Da hierbei immer der kürzeste Drehweg berechnet wird, eignet sich dieser Modus gut für Figuranimationen. Wir selbst versuchen nämlich auch jede Bewegung möglichst direkt und ohne Umwege auszuführen, um Energie zu sparen. In der Praxis lassen sich jedoch Animationen oft nicht so einfach kategorisieren. Am besten Sie probieren in solchen Fällen einfach aus, welche Rotationsmischen-Einstellung das bessere Resultat liefert.

Wenn Sie sich ganz auf Cinema 4D verlassen möchten, können Sie auch die Einstellung Automatisch wählen. Das Programm entscheidet dann selbst, welche Methode zum Einsatz kommen soll.

Kommen wir also zu der letzten, noch verbliebenen Schaltfläche, In ZL öffnen. Eigentlich kennen wir ja bereits Methoden, die in den Ebenen enthaltenen Animationen in der Zeitleiste zu betrachten. Wir haben dazu bereits den Keymodus und den F-Kurvenmodus der Zeitleiste genutzt. Der dritte bislang noch nicht besprochene Modus der Zeitleiste nennt sich jedoch Motionmodus, und dies ist dann auch der Modus, der automatisch über In ZL öffnen aktiviert wird. Ansonsten können Sie aber jederzeit auch manuell zwischen den Modi der Zeitleiste wechseln. Sie finden dazu die entsprechenden Icons in der Titelzeile der Zeitleiste oder Sie benutzen dafür das Ansicht-Menü (siehe Abbildung).

Die Animationsebenen in der Zeitleiste

Die Animationsebenen in der Zeitleiste

Abbildung 1.141: Die Animationsebenen in der Zeitleiste

In der obigen Abbildung 1.141 erkennen Sie bereits, wie unsere Animationsebenen im Motionmodus präsentiert werden. Unsere Ebenen werden dort in der mittleren Spalte der Zeitleiste aufgelistet. Rechts neben den Namen der Ebenen finden Sie eine Spalte mit Prozentwerten. Dabei handelt es sich um die Mischstärken der jeweiligen Ebenen. Diese Werte können direkt dort durch einen Doppelklick auf die Zahl oder über die beiden kleinen Pfeiltasten dahinter editiert werden. Selbst das Animieren dieser Werte durch Keyframes ist hier möglich, wie Sie an den Kreisen links vor den Mischstärken erkennen können. Durch einen Strg/Ctrl-Klick auf diese Kreise kann der aktuelle Wert als Keyframe gesichert werden. Die so gesetzten Keyframes werden auf der rechten Seite der Zeitleiste als Keypunkte samt entsprechender Interpolationskurve dargestellt. Sie erkennen dies auf der rechten Seite von Abbildung 1.141 an der schrägen Linie.

Die eigentlichen Keyframes der Animationsebenen sind im Motionmodus jedoch nicht mehr zu sehen. Stattdessen weisen bläuliche Balken im rechten Teil der Zeitleiste auf die jeweiligen Längen der Animationen hin. So können Sie in Abbildung 1.141 z. B. erkennen, dass die Animation in Ebene 0 nur bis zu Bild 25 läuft. Die dafür aktivierten Wiederholungen sind hier also nicht sichtbar.

Die Keypunkte der Mischstärke-Interpolationskurven können wie im Keyframe- oder F-Kurvenmodus direkt selektiert und editiert werden, um z. B. deren Tangenten zu verändern oder per Strg/Ctrl-Klick neue Keyframes auf die Kurve zu setzen. Ansonsten finden Sie in der dritten Spalte hinter den Namen der Animationsebenen noch die bereits bekannten Icons für das Ebenensystem, die Aktivierung der Animationsauswertung und für den Solo-Modus.

Durch einfachen Klick auf einen der Ebenennamen erscheinen im Attribute-Manager typische Informationen, z. B. über den aktuellen Ebenenwert oder den Zustand der Stumm- oder Solo-Optionen. Die Art der Animationsebene, also ob diese absolut oder relativ ausgewertet wird, wird als Modus ebenfalls angezeigt, kann jedoch nachträglich nicht editiert werden. Gleiches gilt für andere Optionen, wie z. B. das Durchlassen. Diese ist standardmäßig aktiviert und macht nur im Zusammenspiel mit den Motion Clips Sinn. Wir kommen gleich noch darauf zurück. Ansonsten können diese Basis-Parameter auch zum Editieren des Namens einer Animationsebene oder zur Zuteilung einer neuen oder bereits angelegten Ordnungsebene genutzt werden. Die linke Seite der Abbildung 1.142 gibt alle Einstellungen noch einmal im Bild wieder. Rechts daneben sehen Sie die im Attribute-Manager angezeigten Parameter, wenn das Überobjekt der Animationsebenen in der Zeitleiste angeklickt wird. Dies wäre bei uns ja der Würfel. Wie Sie sehen, bekommen Sie dann also die Einstellungen des Motion-Tags geboten, die wir bereits kennen.

Links die Ebenen-Parameter, rechts die Motion-Tag-Parameter

Abbildung 1.142: Links die Ebenen-Parameter, rechts die Motion-Tag-Parameter

Dies allein wäre aber sicherlich noch keine Berechtigung für den Motionmodus. Interessanter ist daher der Umgang mit den Motion Clips, einer Erweiterung der Animationsebenen. Motion Clips können entweder direkt aus einem bereits animierten Objekt oder einer Hierarchie gewonnen werden, oder Sie wandeln Motion-Tags und deren Animationsebenen in Motion Clips um. Dazu kann es Sinn machen, die Animationsebenen eines Motion-Tags zuerst zu reduzieren, also praktisch auf eine Animationsebene einzudampfen. Dafür ist die Reduzieren-Schaltfläche im Motion-Tag gedacht.

Schauen wir uns jedoch zuerst an, was passiert, wenn ein Motion-Tag mit separaten Animationsebenen zu Motion Clips konvertiert wird. Führen Sie dazu einen Rechtsklick auf das animierte Oberobjekt in der mittleren Spalte der Zeitleiste im Motionmodus aus. In unserem Fall ist dies der Würfel. Im Kontextmenü finden Sie dann den Befehl Zu Motion Clip umwandeln. Der Befehl Motionebene mit Animation hinzufügen bewirkt zwar etwas Ähnliches, bindet jedoch nur die Animation der Voreingestellten Ebene in einen Motion Clip ein. Die resultierende Animation wird dadurch verändert, sofern noch weitere Animationsebenen im Motion-Tag vorhanden sind.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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