Grundlagen der Animation: Die Menüpunkte der Zeitleiste – Das Ansicht-Menü – Teil 5

Das Ghosting aktivieren

Diese schemenhafte Darstellung verschiedener Animationsphasen eines Objekts nennt man Ghosting, also Geisterbilder. Dazu weisen Sie dem animierten Objekt ein Darstellung-Tag zu, das Sie nach einem Rechtsklick auf den Namen des Objekts im Objekt-Manager unter Cinema 4D Tags > Darstellung finden können. Alternativ hierzu können Sie auch das Tags-Menü im Objekt-Manager bemühen. Wenn Sie bereits Band 1 des Kompendiums durchgearbeitet haben, kennen Sie dieses Tag bereits. Darüber lassen sich hauptsächlich individuelle Qualitätsstufen für die Darstellung des Objekts in den Ansichtsfenstern einstellen. Diese Optionen spielen für das Rendering jedoch keine Rolle. Einzige Ausnahme ist hierbei die Sichtbarkeit, die über eine Option aktiviert und über einen Sichtbarkeit-Prozentwert stufenlos zwischen 0% und 100% eingestellt werden kann. Darüber lassen sich Objekte dann weich ein- oder ausblenden, sofern dieser Wert animiert wird.

Die von uns in diesem Fall gesuchte Funktion verbirgt sich jedoch unter dem eigenen Reiter Ghosting. Dort wird eine Reihe von Werten geboten, die wir der Reihe nach durchgehen. Los geht es mit der Aktivieren-Option, wobei wir hier wohl auf eine ausschweifende Erläuterung verzichten können. Der Effekt ist nur sichtbar, wenn diese Option angehakt wird. Es folgt ein Menü für den Darstellungsmodus. Dazu ergänzende Einstellungen werden nach dem Klick auf das kleine Dreieck vor diesem Menüpunkt sichtbar. Dieses Menü legt die Qualität und Art der Darstellung der Geisterbilder fest. Wir kommen gleich noch auf die Unterschiede zwischen diesen Modi zurück. An dieser Stelle nur soweit, dass mit dem Darstellungsmodus Objekt die gesamte Form des Objekts dargestellt wird. Dies wird sicher in den meisten Fällen auch der gewünschte Effekt sein. Das Menü für Shadingmodus legt dann die Darstellungsqualität in den Editoransichten fest. Die hier gebotenen Optionen sollten Ihnen alle bereits aus den Darstellung-und Ansichts-voreinstellungen-Menüs der Editoransichten bekannt sein.

Gleiches gilt für die X-Ray-Option, welche die Geister-Abbildungen etwas transparenter darstellen soll, damit sich überlappende Geisterbilder teilweise sichtbar bleiben.

Die wohl wichtigsten Einstellungen dieser Dialogseiten finden Sie gleich im Anschluss. Vor Bild und Nach Bild geben die Anzahl der Geisterdarstellungen an, die zeitlich gesehen früher (also vor dem aktuellen Bild) und zeitlich betrachtet später (also nach dem aktuellen Bild) eingezeichnet werden sollen. Dabei macht es nicht immer Sinn, jedes Einzelbild der Animation mit einem Geisterbild darzustellen. Sie können daher den Wert für Bildschritt benutzen, um z. B. nur alle fünf oder zehn Bilder einen Ghost darstellen zu lassen. Dies hängt natürlich auch davon ab, wie schnell sich das Objekt bewegt. Bewegt es sich sehr langsam, ergeben sich bei einem kleinen Bildschritt schnell zig Ghost-Überlagerungen auf engstem Raum, sodass Sie dort nichts Sinnvolles mehr erkennen können. Bewegt sich das Objekt sehr schnell, könnten Ihnen dagegen wichtige Phasen der Animation entgehen, wenn die Abstände zwischen den Geisterbildern zu groß angelegt sind.

Wie Sie an den beiden Farbflächen rechts daneben erkennen können, lassen sich individuelle Färbungen für die Vor- und Nach-Geisterbilder vorgeben. Diese Farben werden automatisch abgeschwächt, je weiter die Ghost-Darstellung zeitlich betrachtet von dem aktuellen Objekt entfernt liegt. So können Sie bereits in der rechten Hälfte der Abbildung 1.138 erkennen, wie sich dort die Farben vor und hinter dem weißen Würfel automatisch abschwächen. Zudem können Sie noch vorgeben, welcher Bereich der Animation überhaupt ausgewertet werden soll. Ist Bereich verwenden ausgeschaltet, wird automatisch immer über die gesamte Animationslänge mit Ghosts gearbeitet. Alternativ hierzu können Sie aber auch Start- und Ende-Werte vorgeben, um die Darstellung auf einen bestimmten Bildbereich der Animation zu begrenzen. Die nachfolgenden Einstellungen können zusätzlich aktiviert werden, um z. B. alle Key-Positionen eines Objekts separat zu färben oder Ghosts in einem festen Zeitabstand farbig hervorzuheben.

Einstellungen für das Ghosting im Darstellung-Tag

Abbildung 1.138: Einstellungen für das Ghosting im Darstellung-Tag

Sofern Keyframe anzeigen aktiv ist, geben Sie mit Vor Keyframe und Nach Keyframe wieder zwei Zeitabstände vor und hinter der aktuellen Position des Objekts an, in denen die Key-Zustände zusätzlich in den separaten Farben dargestellt werden. Beachten Sie bei der gleichzeitigen Nutzung mit Animationsebenen, dass hierbei immer nur die Voreingestellte Ebene ausgewertet wird. Dies können Sie auch gut an Abbildung 1.138 nachvollziehen. Dort wurden nur die beiden Start- und Endpositionen des Würfels farbig hervorgehoben. Die Position-Keyframes für die Kreisbewegung auf der Ebene 0 wurden nicht registriert.

Weiter geht es mit der Option Benutzerdefiniert, durch die eigene, feste Bildnummer eingetragen werden können. Diese Darstellungen wandern also beim Abspielen der Animation nicht mit, sondern stellen absolute Einzelbilder der Animation dar. Bei Eigene Bilder können Sie entweder einzelne Bildnummern durch Kommata getrennt eintragen, oder zusammenhängende Bildbereiche mit Angaben wie z. B. 10-30 vorgeben. In jedem Fall erfolgt die Darstellung von Bildbereichen jeweils mit einer Ghost-Darstellung pro Einzelbild. In Abbildung 1.138 sahen Sie bereits eine mögliche Kombination aus Einzelbild und Bildbereich in dunkelblauer Färbung.

Sofern Sie etwas mit diesen Optionen gespielt haben, wird Ihnen bei unserer Animation auffallen, dass die Geisterbilder nicht der Bewegung des Würfels folgen. Dies hat auch wieder mit unserer Art der Animation zu tun, denn Animationsebenen lassen sich nicht ohne weitere Vorbereitung direkt in Ghosts übertragen. Gleiches gilt z. B. auch für Spuren, die die Option für Konstante Geschwindigkeit nutzen. In derartigen Fällen müssen die Ghost-Darstellungen zuerst vorberechnet werden. Dazu ist die Schaltfläche Cache berechnen gedacht. Nach einer kurzen Berechnungszeit sind dann alle Informationen über die Animation dieses Objekts gesammelt und die Geisterbilder folgen nun tatsächlich dem Animationspfad. Die Option für Cache verwenden aktiviert sich automatisch. Da das Darstellung-Tag nun aber auf gespeicherte Werte zurückgreift, müssen Sie nach jeder Veränderung an den F-Kurven oder Keyframes unserer Animation auch den Cache neu berechnen lassen.

Da die Geisterbilder sicherlich nicht den ganzen Animationsprozess lang sichtbar sein müssen, können Sie den nicht mehr benötigten Cache dann auch wieder über Cache leeren löschen lassen und somit wieder etwas Speicher freigeben. Soweit zu den grundlegenden Einstellungen der Ghosting-Rubrik. Lassen Sie uns abschließend zu diesem Thema noch einen Blick auf die angebotenen Darstellungsmodi werfen (siehe folgende Abbildung 1.139).

Die verschiedenen Ghosting Darstellungsmodi.

Abbildung 1.139: Die verschiedenen Ghosting Darstellungsmodi. In der oberen Zeile sehen Sie die Modi Objekt, Punkt und Achse, darunter die Modi Spur, Mehrere Spuren und Geschwindigkeit.

Den Objekt-Modus kennen wir ja bereits. Das animierte Objekt wird in seiner kompletten Form dargestellt. Dies ist auch der aufwändigste Modus, der die Darstellungsgeschwindigkeit im Editor am stärksten belastet. Die Qualität der Darstellung kann über den Shadingmodus der Ghosting-Rubrik beliebig vorgegeben werden. Der wohl einfachste Modus folgt als zweites in der Liste. Bei Punkt werden nur noch die Positionen des Objektsystems markiert. Die Punktgröße kann jedoch durch den gleichnamigen Wert eingestellt werden.
Im Darstellungsmodus Achse wird das Achsensystem des animierten Objekts nachgezeichnet. Gegenüber der Punkt-Darstellung ermöglicht dies zumindest eine Abschätzung der Drehwinkel und der Lage des Objekts im Raum. Die Abmessungen der Achsdarstellung können über den Größe-Parameter beeinflusst werden.

Der nächste Modus nennt sich Spur und zeichnet einen Abschnitt der animierten Pfadkurve nach (siehe untere Hälfte der Abbildung 1.138). Sofern Sie im Motion-Tag bereits die Option für Gesamtpfad anzeigen aktiviert haben, überdecken sich beide Darstellungen. Der Gesamtpfad sollte dann ausgeschaltet bleiben. Der Modus Mehrere Spuren funktioniert so ähnlich, zeichnet jedoch nicht den Bewegungspfad des Achsensystems, sondern die Pfade aller Punkte am Objekt nach. Je nach Komplexität des Objekts kann dies also zu einem ziemlichen Linien-Wirrwar führen. Im Fall des einfachen Würfels stellt dies jedoch noch kein Problem dar. Diese Darstellungsart vermittelt ebenfalls ein gutes Gefühl für die Lage und Orientierung des Objekts im Raum.

Der letzte Modus ist bei mir wieder etwas fehlerbehaftet, was die Positionierung der Elemente angeht, aber das sollte Sie nicht weiter stören. MAXON reagiert sehr schnell auf derartige Fehlermeldungen und hat dieses Verhalten daher vielleicht in Ihrer Version schon wieder behoben. Der Darstellungsmodus Geschwindigkeit zeichnet Linien, ausgehend von der Position des Objekts in Bewegungsrichtung. Die Länge dieser Linien lässt Rückschlüsse auf den Betrag der Geschwindigkeit zu. Je länger die Linien sind, desto schneller ist also das Objekt an dieser Stelle. Zusätzlich können alle Linien über den Größe-Parameter skalieren werden. Damit können wir dann bereits diesen kleinen Ausflug zum Ghosting des Darstellung-Tags abschließen und uns wieder mit dem Motion-Tag befassen. Dort sind noch einige Optionen übrig, die bislang nicht besprochen wurden.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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