Grundlagen der Animation: Die Menüpunkte der Zeitleiste – Das Ansicht-Menü – Teil 3

Die Darstellung der F-Kurven

Die Zeitleiste bietet Ihnen noch einige Optionen an, die sich mit der Art der Darstellung von F-Kurven beschäftigen. So hatten wir bislang immer eine Auswahl an Spuren in der linken Spalte der Zeitleiste treffen müssen, die dann rechts als F-Kurven angezeigt wurden. Alternativ hierzu können Sie aber auch immer alle Kurven gleichzeitig darstellen lassen, und zwar von allen animierten Elementen der Szene. Die Abbildung 1.108 zeigt den Vergleich dieser beiden Darstellungsarten. Den entsprechenden Befehl finden Sie unter F-Kurven > Alle Spuren anzeigen. Es kann dann jedoch schnell zu einem Wirrwar von Linien in der Darstellung kommen, wenn viele Animationsspuren in der Szene enthalten sind. Die Auswahl bestimmter Spuren dürfte daher in den meisten Fällen sinnvoller sein.

Wie Sie gleich noch lernen werden, lässt sich das Verhalten einer Spur auch für die Bereiche vor und nach einer Sequenz bestimmen. Auf diese Weise kann z. B. eine nur aus wenigen Keyframes bestehende Animation beliebig oft wiederholt werden, ohne dass die vorhandenen Keyframes kopiert und verschoben werden müssen. So einen Fall sehen Sie in Abbildung 1.109. Diese Winkel-Animation besteht eigentlich nur aus drei Keyframes, die dann jedoch periodisch weitergeführt werden.

Die Zuvor-/Danach-Kurve anzeigen

Abbildung 1.109: Die Zuvor-/Danach-Kurve anzeigen

Um die dadurch entstehende F-Kurve angezeigt zu bekommen (in Abbildung 1.109 als schwarze Linie sichtbar), muss Zuvor-/Danach-Kurve anzeigen aktiv sein. Lassen Sie uns diese Möglichkeit zum Anlass nehmen, einen ausführlicheren Blick auf die Optionen von Animationsspuren zu werfen. Sie bekommen diese Einstellungen nach Auswahl eines Spurnamens im Attribute-Manager angezeigt (siehe Abbildung 1.110).

Die Optionen einer selektierten Spur

Abbildung 1.110: Die Optionen einer selektierten Spur

Die ersten beiden Optionen sollten Ihnen bereits bekannt vorkommen. Animation aktivieren entspricht dem Zustand des Filmstreifen-Symbols rechts von den Spurnamen in der Zeitleiste. Nur wenn diese Option angeschaltet ist, wird die Animation dieser Spur auch ausgewertet. Die Option für die Soloanimation dient dem Zweck, isoliert nur die Spuren auszuwerten, die sowohl Animation aktivieren als auch Soloanimation angeschaltet haben. Durch Anhaken von Soloanimation können also bequem alle übrigen Spuren kurzzeitig unterdrückt werden, um die Animation der Solo-Spuren losgelöst begutachten zu können. Achten Sie also nach dieser Solo-Betrachtung einzelner Spuren darauf, diese Option wieder auszuschalten, damit wieder die ganze Animation aller Objekte und Parameter berechnet wird.

Die dritte Option ist Ihnen an dieser Stelle noch neu. Konstante Geschwindigkeit sorgt dafür, dass die Zeitabstände zwischen den Keyframe automatisch so korrigiert werden, dass sich das Objekt möglichst gleichförmig bewegt. Ein guter Indikator für die Geschwindigkeit eines bewegten Objekts während der Animation sind die dunklen Punkte, die Sie auf den Positionsbahnen animierter Objekte angezeigt bekommen. Wir hatten darüber bereits zu Beginn dieses Kapitels gesprochen.

Je enger diese Punkte liegen (die ja jeweils für die Animationsbilder stehen), desto langsamer bewegt sich das Objekt an dieser Stelle der Bewegungskurve. Große Abstände zwischen den Punkten weisen daher auf eine höhere Geschwindigkeit des Objekts hin (siehe Abbildung).

Geschwindigkeit

Mit Konstante Geschwindigkeit werden die Wegstrecke während der Animation vermessen und die Animation so angepasst, dass das Objekt zwar weiterhin mit dem Erreichen des letzten Keys das Ende der Wegstrecke erreicht, die dazwischen liegenden Keyframes legen dann jedoch nur noch den Pfad fest und nicht mehr das Zeitverhalten. Wenn Sie den Zeitschieber auf der Keyzeit eines Keyframes platzieren ist es dann also in der Regel so, dass sich das Objekt an einer anderen Stelle befindet als über den Keywert eigentlich festgelegt. Die folgende Abbildung 1.111 macht dies sicher deutlicher.

Konstante Geschwindigkeit verändert die F-Kurve ohne die Keys zu verändern.

Abbildung 1.111: Konstante Geschwindigkeit verändert die F-Kurve ohne die Keys zu verändern.

In Abbildung 1.111 sehen Sie eine simple Animation mit drei Position-Keyframes. Der Ring bewegt sich dabei auf einer S-Kurve von oben nach unten. Bei Bild 0 steht er noch oben, bei Bild 5 erreicht er den Welt-Ursprung und bei Bild 20 steht er in der unteren Position. Wie Sie an der Animationskurve in der Abbildung erkennen können, liegen Start- und Endpunkt der Animation gleich weit vom Welt-Ursprung entfernt. Dadurch, dass die obere Hälfte der Bahn in nur fünf Bildern überbrückt werden muss, ergeben sich dort jedoch höhere Geschwindigkeiten im Vergleich zur unteren Bahnhälfte. Die Abstände der Punkte auf den Animationsbahnen deuten ebenfalls klar darauf hin.

Aktivieren wir nun Konstante Geschwindigkeit für die Position-Spur, springt der Ring plötzlich in die Mitte des oberen Abschnitts, obwohl der Zeitschieber noch immer auf Bild 5 und somit der Position am Welt-Ursprung steht. Der Ring erreicht nun erst bei Bild 10, also exakt in der Mitte der Animationssequenz die Position in der Mitte der Bahnkurve. Wenn Sie sich von der Abweichung zwischen Keyframe-Platzierung in der Zeitleiste und Animation des Objekts nicht verwirren lassen, ist dies natürlich eine sehr mächtige Option, zumindest wenn Sie absichtlich eine gleichförmige Animation erstellen möchten. Sie können sich dann ganz auf das Festlegen der gewünschten Bahnpositionen konzentrieren, ohne sich über die einzelnen Keyzeiten Gedanken machen zu müssen. Sie platzieren einfach das letzte Keyframe der Animation an dem Zeitpunkt, an dem die Animation abgeschlossen sein soll. Cinema 4D erledigt den Rest. Beachten Sie, dass Spuren, für die Konstante Geschwindigkeit aktiviert wurde, als zusätzlichen Hinweis das Kürzel CV an den Namen in der Zeitleiste angehängt bekommen!

Weiter geht es mit den Zuvor- und Danach-Menüs mit den jeweils angehängten Einstellungen für Wiederholungen. Diese Optionen sind extrem hilfreich, wenn Sie sich wiederholende Animationen darstellen möchten. Denken Sie z. B. an eine Figur, die eine Treppe hinaufgeht. Im Prinzip wären dafür nur ein paar Keyframes nötig, aber durch die benötigten Wiederholungen kommen je nach Stufenanzahl schnell viele Key zusammen. Zudem können bestehende Keyframes eines Schritts nicht einfach dupliziert werden, denn die Figur bewegt sich ja nicht auf der Stelle, sondern vorwärts und aufwärts. Auch solche Animationen können von automatischen Wiederholungen profitieren.

Uns stehen verschiedene Modi für das Spurverhalten zur Verfügung. Lassen Sie uns diese einmal der Reihe nach durchgehen. Zunächst wäre dabei festzustellen, dass die Menüs für Zuvor und Danach exakt die gleichen Einträge haben und auch das gleiche bewirken. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Zuvor die Wiederholungen vor dem ersten Keyframe der Spur beschreibt und Danach den Zeitbereich nach dem letzten Key definiert.

Voreingestellt ist jeweils Konstant. Dies bedeutet, dass der Wert des ersten bzw. letzten Keyframes einfach gehalten wird. Bei einer Animation, die erst ab Bild 50 mit dem ersten Key startet, nimmt das Objekt also bereits am Anfang der Animation, also z. B. bei Bild 0, die entsprechende Position ein. Ebenso verhält es sich im Zeitraum nach dem letzten Keyframe. Das Objekt bleibt einfach dort stehen, wo das letzte Keyframe es hingeschickt hat. Die Einstellung Aus geht da sehr viel restriktiver vor. Das animierte Objekt wird nur während des Zeitraums animiert, während dem Keyframes genutzt werden. In den Zeitbereichen vor dem ersten und hinter dem letzten Keyframe ist das Objekt völlig frei und kann von uns z. B. beliebig verschoben oder gedreht werden. Dies kann bei gleichzeitiger Nutzung von Schaltungen und Expressions interessant sein. Wir kommen an geeigneter Stelle später im Buch darauf zurück.

Die Einstellung Fortsetzen für Zuvor und Danach

Abbildung 1.112: Die Einstellung Fortsetzen für Zuvor und Danach

Beim Modus Fortsetzen wird die Steigung der F-Kurve am ersten und letzten Keyframe analysiert und die restliche Animation hinweg beibehalten. Wie Sie am oberen Beispiel der Abbildung 1.112 sehen, kann es dabei zu Abweichungen kommen. Die leichten Knicke an den Enden des animierten Bereichs sind hier sicherlich nicht gewollt. In solchen Fällen kann helfen, die Tangenten manuell anzupassen, also auf die Auto-Tangenten-Option zu verzichten. In der unteren Hälfte der Abbildung 1.112 wurden die Enden der F-Kurven entsprechend über die dortigen Tangenten geformt. Das Ergebnis ist dort für das Fortsetzen der Interpolationskurven perfekt.

Bislang kamen die Wiederholungen-Werte gar nicht zum Einsatz. Das ändert sich nun mit den folgenden Modi für Zuvor und Danach.

Das Wiederholen entspricht dem Kopieren der animierten Sequenz, so wie es auch Abbildung 1.113 zeigt. Wie oft die Sequenz wiederholt werden soll, können Sie über die Wiederholungen-Werte vorgeben. In diesem Beispiel wurde nur jeweils ein Mal wiederholt. Wie fahren wir nun aber nach dieser wiederholten Animation fort?

Die Wiederholen-Modi für Zuvor und Danach

Abbildung 1.113: Die Wiederholen-Modi für Zuvor und Danach

Die Lösung ist einfach, denn ein Objekt kann beliebig viele Spuren des gleichen Typs haben. Es ist daher kein Problem, einem Objekt z. B. weitere Winkel- oder Position-Spuren zuzuweisen. Auch hier macht ein Beispiel sicherlich die Vorgehensweise deutlicher. Gehen wir dabei von der Animationsspur aus Abbildung 1.113 aus. Diese zeigt eine Winkel.P-Spur, die Zuvor und Danach je ein Mal wiederholt wurde. Die Animation der Winkel.P-Werte soll nun im hinteren Teil der Animation wieder durch Keyframes verändert werden. Würden wir die neuen Keyframes einfach zu der bestehenden Winkel-Animation hinzufügen, würden auch diese Keys in die Wiederholungen mit einbezogen.

Klicken Sie stattdessen mit einem Rechtsklick auf den Namen des Objekts in der Zeitleiste und wählen Sie unter den Eigenschaftsspuren diejenige aus, die Sie erneut hinzufügen möchten. In meinem Beispiel ist dies erneut eine Winkel.P-Spur (siehe Abbildung 1.114). Die neue Spur erscheint am Ende der Spuren-Auflistung und ist vorerst natürlich noch vollkommen leer.

Hinzufügen weiterer Eigenschaftsspuren

Abbildung 1.114: Hinzufügen weiterer Eigenschaftsspuren

Setzen Sie nun ein neues Keyframes durch Ctrl-Klick in den Bereich rechts vom neuen Spurnamen und selektieren Sie die neue Spur durch Anklicken des Spurnamens. Auf diese Weise bekommen Sie nun das neue Keyframe dieser Spur auch in der kleinen Zeitleiste unterhalb der Editoransichten angezeigt und können dies dort beliebig verschieben oder mit einem neuen Keywert überspeichern.

Oben sehen Sie die zusätzliche Winkel-Spur mit dem neuen Keyframe, darunter die Darstellung des Keyframes in der kleinen Zeitleiste.

Abbildung 1.115: Oben sehen Sie die zusätzliche Winkel-Spur mit dem neuen Keyframe, darunter die Darstellung des Keyframes in der kleinen Zeitleiste.

Die Abbildung 1.115 macht dies sicherlich noch deutlicher. So könnten Sie dann den Keywert des letzten Keyframes der wiederholten Winkel-Spur kopieren und dann in die neue Spur dort einfügen, wo die Wiederholungen zeitlich enden. Dies ist in der oberen Hälfte der Abbildung 1.115 zu erkennen. Wenn Sie dann den neuen Spurnamen in der Zeitleiste selektieren, können Sie das neue Keyframe ebenfalls in der kleinen Zeitleiste sehen. Dies ist in der unteren Hälfte der Abbildung zu sehen. Solange die Spur selektiert ist, können Sie nun mit der gewohnten Keyframe-Aufnahme der kleinen Zeitleiste arbeiten, um die Animation weiter aufzuzeichnen.

Dank der Möglichkeit im F-Kurven-Modus mehrere Spuren und deren F-Kurven gleichzeitig zu sehen, können auch die Tangenten der eigentlich separaten Sequenzen so angeglichen werden, dass ein weicher Übergang entsteht. Es fällt dann nicht mehr auf, dass wir es eigentlich mit zwei getrennten Spuren zu tun haben. Die Abbildung 1.116 macht dies deutlicher. Dort wurden beiden Winkel-Spuren mit Strg/Ctrl-Klicks selektiert und die Keywerte und Tangenten der neuen Spur so angepasst, dass kein sichtbarer Übergang mehr zwischen der Wiederholung und den neuen Keyframes verbleibt. Dieses Prinzip funktioniert natürlich nicht nur mit Winkel-Animationen oder dem Wiederholen-Modus, sondern auch mit anderen Animationsspuren und den nachfolgend beschriebenen Zuvor- und Danach-Modi.

Fortsetzung der wiederholten Winkel-Animation durch eine neue Spur

Abbildung 1.116: Fortsetzung der wiederholten Winkel-Animation durch eine neue Spur

Der Modus Offset Wiederholen funktioniert im Prinzip exakt wie Wiederholen. Es entstehen also Kopien der echten Animation, die je nach Wahl von Zuvor oder Danach mit der angegebenen Wiederholungen-Anzahl angefügt werden. Den Unterschied zwischen beiden Modi macht das Wörtchen Offset aus, denn hierbei kommt es zu einer Anpassung der kopierten und wiederholten Keywerte, so wie es die Abbildung 1.117 zeigt. Sie sehen, dies ist der richtige Modus für die eingangs beschriebene Figur, die eine Treppe hinaufsteigt, denn das Ende der Animation wird automatisch als Startpunkt für die nachfolgenden Wiederholungen genutzt. Alle Keywerte erfahren daher einen Offset, also eine Verschiebung oder Anpassung, um nahtlos an die vorhandene Animation anzuschließen.

Der Modus Offset Wiederholen

Abbildung 1.117: Der Modus Offset Wiederholen

Schließlich steht uns noch ein Oszillieren-Modus zur Verfügung, der in Abbildung 1.118 dokumentiert ist. Dieser lässt sich gut mit dem Abspiel-Modus Ping-Pong vergleichen, bei dem die Animation fortlaufend vor und zurück läuft. Auch hier werden die Keyframes kopiert, aber jeweils gespiegelt angefügt. Es kommt daher in der Regel nicht zu harten Brüchen und Sprüngen in der wiederholten Animation. Dieser Modus eignet sich daher gut für schwingende Systeme, von denen dann nur eine Animationsphase tatsächlich als Keyframes vorliegen muss.
Soweit also zu den wiederholenden Optionen einer Spur. Weiter geht es mit dem Feld für die Zeitspur. Wir hatten dieses Element bereits als Spezial-Spur kennengelernt und auch bereits damit gearbeitet. Die Zeit-Spur kann das Zeitverhalten einer Spur nahezu beliebig verändern, ohne dass die Keys der Spur editiert werden müssen. Die Keys der Zeit-Spur decken dabei den Wertbereich zwischen 0% und 100% ab, was dem ersten und dem letzten Bild des Animationsprojekts entspricht.

Der Oszillieren-Modus

Abbildung 1.118: Der Oszillieren-Modus

Ein Wert von 50% bedeutet also, dass die Hälfte der Animation abgelaufen ist. Soll die Zeit-Spur in ihrer Länge auf die Sequenz angepasst werden, der diese Zeit-Spur zugewiesen wurde, aktiviere Sie zusätzlich die Option für Relatives-Mapping. Die Abbildung 1.119 soll Ihnen helfen, den Unterschied zwischen beiden Spielarten der Zeit-Spuren besser zu verstehen.

Die Wirkungsweise eine Zeit-Spur ohne und mit Relatives Mapping

Abbildung 1.119: Die Wirkungsweise eine Zeit-Spur ohne und mit Relatives Mapping

In diesem Beispiel sehen Sie einen Würfel, der im Bereich zwischen Bild 0 und Bild 25 Animationsspuren für seine Position und die Winkel hat. Eine Zeit-Spur wurde nachträglich hinzugefügt und in beiden Eigenschaftsspuren zugewiesen. Dies ist in der oberen Hälfte der Abbildung zu sehen. Die Zeit-Spur wurde dann so durch ein neues Keyframe ergänzt, dass diese in Bild 0 mit einem Keywert von 0% startet, dann bei Bild 50 den Wert 100% erreicht und schließlich in Bild 100 wieder auf den Wert 0% zurückgeführt wird.
Die Funktionsweise ist nun so, dass der Würfel in Bild 50 den Endzustand der animierten Sequenzen erreicht, also die in Bild 25 gespeicherten Keyframes abgerufen werden. Im Zeitbereich zwischen Bild 50 und Bild 100 fährt die Animation dann rückwärts und endet wieder mit der Startposition des Würfels, so wie diese in Bild 0 angelegt wurde. Die Eigenschaftsspuren werden also praktisch auf den Wertbereich der Zeit-Spur zwischen 0% und 100% gestreckt.

Anders bei Nutzung der Relatives Mapping-Option für die Position- und Winkel-Spuren. Nun passt sich die Zeit-Spur an die Länge der animierten Sequenzen an. Der Würfel erreicht somit in der Mitte der animierten Sequenz, also zwischen Bild 12 und 13 bereits seine Endstellung und fährt anschließen bis Bild 25 wieder zurück in seine Startstellung. Die untere Darstellung in Abbildung 1.119 soll dies durch eine von mir skalierte Zeit-Spur verdeutlichen, obwohl dies so natürlich nicht in der Zeitleiste angezeigt wird. Die Zeit-Spur läuft also weiterhin zwischen Bild 0 und Bild 100, wirkt sich aber nun nur noch in der Zeit zwischen den Keyframes der Position- und Winkel-Spuren aus.

Die folgende Farbe-Option in den Einstellungen einer selektierten Spur hat wieder mehr kosmetischen Nutzen (siehe Abbildung 1.120).

Individuelles Anpassen der Spurfarben

Abbildung 1.120: Individuelles Anpassen der Spurfarben

Wie Sie bereits wissen, werden die Spuren von animierten Vektoren, also z. B. Winkel, Skalierungen oder Positionen, entsprechend in den Farben Rot, Grün und Blau eingefärbt. Dies sind also die voreingestellten Farben, die automatisch genutzt werden. Sie können jedoch auch selbst künstlerisch tätig werden und für jede Spur eigene Farben festlegen.

Dazu können Sie entweder individuelle Spuren auswählen oder auch direkt einen Überordner selektieren. In Abbildung 1.121 sehen Sie so z. B. links die Standardfarben und rechts das Ergebnis, nach dem die Position-Spur selektiert und Voreingestellte Farbe in den Einstellungen der Spur deaktiviert wurde. Über das Farbe-Feld kann dann ein beliebiger Farbwert vergeben werden. Entweder klicken Sie dazu direkt in die Farbfläche hinein oder Sie entfalten den kompletten Farbdialog über das kleine Dreieck links vom Farbe-Feld.

Links die voreingestellten Farben, rechts die manuelle Einfärbung

Abbildung 1.121: Links die voreingestellten Farben, rechts die manuelle Einfärbung

Die letzten beiden Parameter werden interessant, wenn Sie verschiedene Spuren miteinander vergleichen wollen. Sie kennen ja bereits Werkzeuge, mit denen F-Kurven skaliert oder verschoben werden können. Dies ist hier jedoch nicht gemeint, denn die folgenden Parameter führen nur zu einer optischen Veränderung der F-Kurve und nicht zu einer Veränderung der Keywerte an der Kurve! Als kleines Beispiel hierzu sehen Sie in Abbildung 1.122 eine Position.X-Kurve und rechts daneben den entsprechenden Dialog der Spur im Attribute-Manager. Unten in diesem Dialog finden Sie die beiden Einstellungen, um die es nun gehen soll.

Die F-Kurve kann über die Spur-Eigenschaften verschoben und skaliert werden

Abbildung 1.122: Die F-Kurve kann über die Spur-Eigenschaften verschoben und skaliert werden.

Mit F-Kurve Offset kann die gesamte Kurve nach oben oder unten verschoben werden. Über F-Kurve Skalierung können Sie die gesamte Kurve abflachen (bei Werten unter 100%) oder verstärken (Werte über 100%), wobei jeweils die gestrichelte Linie der minimalen Keywerte als Basis dient (siehe Beispiele in Abbildung 1.123).

Oben beispielhaft das Verschieben der F-Kurve, unten das Skalieren

Abbildung 1.123: Oben beispielhaft das Verschieben der F-Kurve, unten das Skalieren

Als kleine Gedächtnisstütze werden alle derart veränderten Spuren durch ein angehängtes R im Namen der Spur markiert (siehe auch Abbildung 1.123). Durch Zurückstellen des F-Kurve Offset-Werts auf Null und der F-Kurve Skalierung auf 100% können Sie jederzeit zur Darstellung der tatsächlichen F-Kurve zurückkehren. Hierdurch wird nicht die Animation verändert, sondern nur die Kurvendarstellung!

Nach diesem Ausflug in die Spur-Parameter lassen Sie uns zurückkommen auf das F-Kurven-Menü der Zeitleiste. Der nächste Punkt dort befasst sich mit der Darstellung der Keyframes auf den Kurven. Generell ist deren Darstellung durchaus sinnvoll, um die Keypunkte notfalls selektieren und verschieben oder um deren Tangenten bearbeiten zu können. Daher ist Alle Keys anzeigen auch standardmäßig aktiv. Ohne diese Option bleibt nur die nackte Darstellung der F-Kurve übrig (siehe Abbildung 1.124).

Links ohne Keyframes, rechts mit Keyframes dargestellte F-Kurve

Abbildung 1.124: Links ohne Keyframes, rechts mit Keyframes dargestellte F-Kurve

Wir haben damit eine Option kennengelernt, mit der alle Keypunkte/Keyframes von den F-Kurven entfernt werden konnten. Nur was soll uns dies bringen, wenn wir dann doch einmal manuell in die Kurven eingreifen wollen? Die folgende Option des F-Kurven-Menüs klärt dieses Dilemma, denn mittels Keys von selektierten Kurven anzeigen können wir einerseits die saubere F-Kurven-Darstellung ohne Keyframes mit der individuellen Einblendung der Keypunkte kombinieren. Auch hier bringt wieder ein einfaches Beispiel mehr Klarheit in diese Funktion. So sehen Sie auf der linken Seite der Abbildung 1.125 einen selektierten Winkel-Spurordner. Da dort die Option für Alle Keys ausgeschaltet wurde sind nur die Interpolationskurven zu sehen. Diese können jedoch auch durch einen direkten Klick auf deren Linienverlauf selektiert werden. Derart ausgewählte F-Kurven werden generell in gelblicher Färbung dargestellt, so wie es auf der rechten Seite der Abbildung zu sehen ist.

Selektierte F-Kurven können mit Key-Darstellungen versehen werden.

Abbildung 1.125: Selektierte F-Kurven können mit Key-Darstellungen versehen werden.

Sofern Keys von selektierten Kurven anzeigen ausgewählt wurde, werden nun auch wieder die Keypunkte auf der Kurve angezeigt. Diese können dann wie gewohnt editiert werden. Lassen Sie sich beim Editieren der Keypunkte oder Tangenten an diesen Keyframes nicht davon irritieren, dass diese verschwinden. Nach dem Lösen der Maustaste sind alle Elemente wieder sichtbar.

Diese Kombination aus Darstellungsoptionen eignet sich besonders, wenn Sie gerne mit mehreren Kurven gleichzeitig arbeiten bzw. verschiedene F-Kurven zugleich dargestellt haben wollen. Zum Deselektieren einer F-Kurve selektieren Sie eine andere Kurve oder führen einen Linksklick in einen leeren Abschnitt der Zeitleiste aus. Um mehrere Kurven zu selektieren, halten Sie beim Anklicken die Strg/Ctrl-Taste gedrückt. Alternativ hierzu kann auch ein Selektionsrahmen aufgezogen werden. Dieser Rahmen muss nicht die gesamte Kurve umschließen. Sobald nur ein Teil der F-Kurve eingeschlossen wird, wird diese ausgewählt. Beachten Sie ansonsten, dass diese Darstellungsoptionen nur im F-Kurvenmodus zur Verfügung stehen. Die Darstellung der F-Kurve unterhalb der Keyframes im Keymodus der Zeitleiste wird davon nicht beeinträchtigt.

Die folgenden beiden Optionen im F-Kurven-Menü bewirken ähnliche Veränderungen, beziehen sich jedoch ausschließlich auf die Tangenten an den Keypunkten, sofern diese einen Spline-Interpolationsanteil haben. Tangenten von selektierten Keys anzeigen bewirkt genau dies: Nur selektierte Keypunkte zeigen Ihre Tangenten. Es ist daher nötig den Keypunkt zuvor zu selektieren, um dessen Tangente sehen und bearbeiten zu können. Alle Tangenten anzeigen führt hingegen dazu, dass alle Keypunkte immer auch ihre Tangenten darstellen. Da Tangenten nicht losgelöst von Keypunkten angezeigt werden können, ergeben sich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten mit den bereits besprochenen Darstellungsoptionen für Keyframes auf den F-Kurven. Wenn Sie z. B. vorrangig am Anpassen der Tangenten interessiert sind, könnten Sie die Kombination Alle Keys anzeigen und Alle Tangenten anzeigen benutzen. Der Vorteil daran ist, dass Sie alle Tangenten direkt ohne vorherige Selektion des Keypunkts editieren können (siehe Abbildung 1.126).

Tangenten lassen sich auch ohne vorherige Selektion des Keyframes editieren.

Abbildung 1.126: Tangenten lassen sich auch ohne vorherige Selektion des Keyframes editieren.

Kombinieren Sie hingegen Keys von selektierten Kurven anzeigen mit Alle Tangenten anzeigen, müssen Sie zuerst die F-Kurve anklicken und den entsprechenden Keypunkt auswählen, bevor Sie die dazugehörende Tangente mit der Maus anfassen und editieren können.

Die letzten beiden Einträge des F-Kurven-Menüs helfen beim Vergleich verschiedener Kurven miteinander. Dabei werden die Spur-Parameter für F-Kurve Offset und F-Kurve Skalierung automatisch angepasst, um die selektierten Kurven möglichst deckungsgleich dargestellt zu bekommen. Auch hierbei werden also wieder nicht die Keywerte oder Tangenten verändert, sondern nur die Darstellung der F-Kurven wird in der Zeitleiste angepasst!

Das Beispiel aus Abbildung 1.127 erläutert die Wirkung des Autorelativ-Befehls. Oben links sehen Sie die drei F-Kurven, die miteinander verglichen werden sollen. Dies müssen natürlich nicht zwingend Kurven des gleichen Objekts oder Kurven vom gleichen Typ sein. Sie können durch Selektion der Spurnamen in der linken Spalte der Zeitleiste beliebige Kurven gleichzeitig darstellen lassen. Im gleichen Bildabschnitt sehen Sie bereits den Selektionsrahmen, der zur Auswahl dieser F-Kurven mit der Maus aufgezogen wurde. Daraus folgt eine Spurselektion, die rechts oben in der Abbildung zu sehen ist. Durch das Selektieren der Spuren wird der Autorelativ-Befehl im Menü der F-Kurven freigeschaltet.

Relativierung selektierter F-Kurven

Abbildung 1.127: Relativierung selektierter F-Kurven

Durch Anwahl dieses Befehls werden die selektierten Kurven automatisch skaliert und verschoben. Dies ist unten links in Abbildung 1.127 zu erkennen. Ein Hinweis auf die optisch verzerrten Kurven gibt das bereits bekannte R, das den Spurnamen auf der linken Seite der Zeitleiste angehängt wird. Diese Darstellung der Kurven bleibt auch erhalten, wenn die Selektion der Kurven z. B. durch einen Klick daneben wieder aufgehoben wird. Dies ist unten rechts in der Abbildung 1.127 zu sehen. Die Kurven können anschließend also wie bisher weiter editiert werden, um z. B. das Timing von Bewegungen zwischen verschiedenen Parametern oder Objekten abzustimmen.

Um die tatsächliche Darstellung der Kurven wieder angezeigt zu bekommen, können Sie entweder die Spurnamen selektieren und dann im Attribute-Manager die Werte für F-Kurve Offset wieder auf 0 bzw. für F-Kurve Skalierung auf 100% setzen, oder Sie selektieren die Kurven erneut und rufen anschließend Zurücksetzen im F-Kurven-Menü auf. Damit hätten Sie dann auch die wichtigsten Arbeitsmethoden und Werkzeuge für F-Kurven kennengelernt und wir können uns mit dem nächsten Themenkomplex innerhalb der Zeitleiste beschäftigen, den Motionebenen und den Motion Clips.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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