Grundlagen der Animation: Die Zeitleiste – Keys und deren Interpolationskurven bearbeiten

Keyframes abspeichern. Diese Keywerte können auf bekanntem Weg durch Auswahl eines Keyframes im Attribute-Manager angezeigt und dort auch editiert werden. Gleiches gilt für die Keyzeit. Diese beiden Eigenschaften lassen sich jedoch auch direkt in der Zeitleiste anzeigen bzw. editieren. Wenn Sie den Mauszeiger auf einem Keyframe platzieren, werden die darin gespeicherten Zahlenwerte oberhalb des Mauszeigers angezeigt. Leider ist dabei die Lesbarkeit nicht immer optimal gegeben.
Der Wert eines Keyframes kann durch vertikale Verschiebung der Keyframe-Markierung auf der Interpolationskurve verändert werden. Folglich stellt die seitliche Verschiebung eine Veränderung der Keyzeit dar (siehe Abbildung 1.40).

Keyzeit und Keywert direkt in der Zeitleiste editieren

Abbildung 1.40: Keyzeit und Keywert direkt in der Zeitleiste editieren

Anders als noch in der kleinen Zeitleiste haben wir hier zudem die Möglichkeit, die einzelnen Vektorkomponenten separat voneinander zu verschieben.

Beachten Sie beim Verschieben von Keys in der Zeit, dass dabei natürlich auch mehrere Keyframes gleichzeitig selektiert und verschoben werden können. Es reicht dazu das Aufziehen eines Selektionsrahmens durch Halten der linken Maustaste (siehe Abbildung 1.41).

Mehrere Keyframes können mit einem Selektionsrahmen ausgewählt werden

Abbildung 1.41: Mehrere Keyframes können mit einem Selektionsrahmen ausgewählt werden

Wie Sie in der Abbildung erkennen können, werden durch die Selektion eines übergeordneten Keys, also z. B. in der direkten Winkel-Spur, gleichzeitig auch alle Keys der Vektorkomponenten selektiert.

Dieses Prinzip mündet in übergeordneten Keys direkt hinter den animierten Objekten und schließlich in einer gemeinschaftlichen Gesamtspur, welche die Keys aller Elemente der Szene anzeigt. Die Selektion eines Keys in der Gesamtspur führt somit automatisch dazu, dass alle Keyframes der Szene selektiert werden, die auf dieser Keyzeit platziert sind (siehe Abbildung 1.42).

Übergeordnete Keys selektieren beim Anklicken automatisch alle untergeordneten Keyframes

Abbildung 1.42: Übergeordnete Keys selektieren beim Anklicken automatisch alle untergeordneten Keyframes

Versehentlich ausgewählte Keys lassen sich durch Strg/Ctrl-Klicks wieder deselektieren. Ebenso führt ein Strg/Ctrl-Klick auf ein unselektiertes Keyframe zu dessen Auswahl, ohne die übrige Key-Auswahl zu verändern. Ansonsten können Sie z. B. in der Gesamtspur auch die Shift-Taste benutzten, um wie im Objekt-Manager alle Keys zwischen zwei Klicks selektieren zu lassen.

Wie bereits von der kleinen Zeitleiste her bekannt, lassen sich selektierte Keyframes auch in der Zeit skalieren, um die Animation zwischen diesen Keys langsamer oder schneller zu gestalten. Dazu führen Sie eine Selektion der entsprechenden Keys aus und finden anschließend gelbliche Anfasser im Zeitstrahl der Zeitleiste. Durch Verschieben dieser Anfasser können die selektierten Keyframes proportional zueinander neu in der Zeit verteilt werden (siehe Abbildung 1.43).

Selektionen von Keyframes lassen sich über die gelben Anfasser im Zeitstrahl skalieren

Abbildung 1.43: Selektionen von Keyframes lassen sich über die gelben Anfasser im Zeitstrahl skalieren

Durch einen gehaltenen Klick in den gelben Balken zwischen diesen beiden Anfassern können die selektierten Keys gemeinschaftlich in der Zeit verschoben werden. Ein Mausklick neben den selektierten Keybereich löst die Selektion wieder auf. Soweit zur zeitlichen Komponente der Keyframes. Was die Keywerte angeht, so gibt es aber auch dort noch einige Optionen.

Wie auf der linken Seite der Abbildung 1.44 zu erkennen ist, können die Werte einzelner Keyframes verändert werden, wenn die entsprechende Interpolationskurve aufgeklappt wird und der Keyframe-Punkt auf dieser Kurve auf und ab verschoben wird. Der jeweilige Zahlenwert kann durch Platzierung des Mauszeigers auf dem Keyframe abgelesen werden. Wie bereits erwähnt, ist dabei die Lesbarkeit nicht immer optimal. Sie werden daher gleich noch eine andere Möglichkeit der Darstellung von Keywerten kennenlernen.

Keywerte können einzeln oder proportional durch Verschieben der gestrichelten Linien innerhalb der Interpolationskurven editiert werden.

Abbildung 1.44: Keywerte können einzeln oder proportional durch Verschieben der gestrichelten Linien innerhalb der Interpolationskurven editiert werden.

Es lassen sich auch mehrere selektierte Keys einer Spur durch senkrechte Verschiebung im Wert verändern. Dabei bleiben dann aber die Wertabstände zwischen den bewegten Keyframes gleich. Beachten Sie, dass die Darstellung der Interpolationskurve nicht automatisch zentriert und skaliert wird. Wenn Sie also einen Keyframe-Punkt z. B. weit nach oben oder unten verschieben, wird dieser schnell aus dem Blick geraten. Cinema 4D aktualisiert diese Darstellung der Kurven nur, wenn Sie das entsprechende Dreieckfeld neben dem Namen der Spur ein Mal zu- und dann wieder aufklappen (siehe Abbildung 1.45).

Zentrierung einer Interpolationskurve durch Ein- und Ausklappen.

Abbildung 1.45: Zentrierung einer Interpolationskurve durch Ein- und Ausklappen.

Anders verhält es sich, wenn Sie die gestrichelten Linien verschieben, die den gesamten Wertbereich der Keyframes einer Spur begrenzen. Durch vertikale Verschiebung dieser Linien kann die gesamte Animation proportional skaliert werden. Am Beispiel der rechten Seite von Abbildung 1.44 sehen Sie so, wie dort die obere gestrichelte Linie gegenüber der linken Abbildung nach unten verschoben wurde.

Die Interpolationskurve verläuft dadurch flacher und das Objekt wird sich somit während der Animation, zumindest in diesem Fall, nicht mehr so weit entlang der Z-Achse verschieben. Nach dem gleichen Prinzip kann auch die untere gestrichelte Linie verschoben werden. Beachten Sie, dass diese Art der Wert-Skalierung keine Rücksicht auf bestehende Keyframe-Selektionen nimmt. Es werden immer alle Keys der Spur davon beeinflusst!

Die Interpolation editieren

Wir haben bereits mehrfach über die zur Verfügung stehenden Interpolationsarten für Keyframes gesprochen und wie diese entweder grundsätzlich in den Projekt-Voreinstellungen oder individuell nach dem Selektieren eines Keyframes im Attribute-Manager editiert werden können. Aber auch direkt in der Zeitleiste ist ein Umschalten der Interpolationen möglich, wie Sie in Abbildung 1.46 erkennen können.

Linear-, Stufe- und Spline-Interpolation

Abbildung 1.46: V.l.n.r: Linear-, Stufe- und Spline-Interpolation

Sie finden dazu drei Icons oberhalb des Zeitstrahls. Wie Sie bereits wissen, verändert das Umschalten der Interpolation eines Keyframes immer nur den nachfolgenden Kurvenabschnitt. Die Abbildung 1.46 macht dies recht deutlich, da die Tangente auf der linken Seite des Keyframes durch das Umschalten jeweils unbeeinflusst bleibt.

Auch die Funktionen für Auto-Tangenten und das Brechen von Tangenten sind als Icons ausgeführt (siehe Abbildung 1.47).

Icons zum Aktivieren der Auto-Tangenten und zum Brechen der Tangenten

Abbildung 1.47: Icons zum Aktivieren der Auto-Tangenten und zum Brechen der Tangenten

Ist das Icon für Auto-Tangenten ausgeschaltet, können Sie die Tangenten an einem Keyframe selbst beliebig drehen und skalieren. Dazu reicht das Ziehen mit der Maus an den dreieckigen Enden der Tangenten aus. Sollen sich beide Tangentenarme unabhängig voneinander editieren lassen, muss Tangenten brechen zusätzlich angeschaltet sein.
Was die manuelle Anpassung der Tangenten angeht, so finden Sie dazu drei Icons gleich rechts von den Symbolen für die verschiedenen Interpolationsarten (siehe Abbildung 1.48).

Von oben nach unten die Modi Ease Ease, Ease In und Ease Out

Abbildung 1.48: Von oben nach unten die Modi Ease Ease, Ease In und Ease Out

Die ursprüngliche Interpolationskurve war in Abbildung 1.47 zu sehen und entstand durch Deaktivieren der Auto-Tangenten–Option und manuelles Drehen der Tangente.
Die oberste Einblendung in Abbildung 1.48 zeigt links die Auswahl der sogenannten Ease Ease-Interpolation. Dabei werden die Tangentenarme auf eine einheitliche Länge und horizontale Richtung gebracht. Die Animation bremst dadurch bereits vor dem Erreichen des Keyframes etwas ab und beschleunigt sich ebenfalls nur langsam direkt hinter dem Keyframe. Vorher eventuell gebrochene Tangenten werden dadurch deaktiviert. Das nächste Icon aktiviert die Ease In-Interpolation und bricht automatisch die Tangentenarme so, dass der linke Tangentenarm horizontal verläuft. Die Animation läuft dadurch abgebremst in den Keywert hinein. Den umgekehrten Effekt hat das letzte Icon dieser Gruppe. Mit der Ease Out-Interpolation werden die Tangenten ebenfalls gebrochen aber nur die rechte Tangentenhälfte horizontal ausgerichtet. Die Animation beschleunigt dadurch langsam aus dem Key heraus.

Wirkung der Funktionen Weich und Angleichen auf die Tangenten einer Spline-Interpolation
Abbildung 1.49: Wirkung der Funktionen Weich und Angleichen auf die Tangenten einer Spline-Interpolation

Die zwei folgenden Icons erleichtern das Glätten von Interpolationskurven, nachdem bereits Tangenten skaliert, verdreht oder gar gebrochen wurden. Die Effekte sind jeweils in Abbildung 1.49 dargestellt. Auf der linken Seite sehen Sie im oberen Teil die Ausgangskurve. Eine verdrehte Tangente sorgt dort für eine deutliche Welle zwischen den benachbarten Keyframes. Ein Klick auf die Schaltfläche für Weich dreht und skaliert die Tangenten der selektierten Keys wieder so, dass ein harmonischer und weicher Verlauf der Animationskurve erscheint. Das Ergebnis ist links unten in der Abbildung zu sehen. Der Effekt entspricht damit dem Aktivieren der Auto-Tangenten-Option für diese Keyframes, nur dass diese Option eben nicht bemüht werden muss.

Das letzte Icon dieser Befehlsgruppe steht für die Angleichen-Funktion. Diese ist dann hilfreich, wenn bereits gebrochene Tangenten vorliegen, die korrigiert werden sollen. Die Abbildung 1.49 zeigt oben rechts die Ausgangsbasis mit einer gebrochenen Tangente am mittleren Keyframe. Zudem sind beide Tangenten unterschiedlich lang skaliert. Der Aufruf der Angleichen-Funktion verändert ausschließlich den linken Arm der Tangente. Diese Seite wird auf die gleiche Länge und Richtung wie der rechte Arm der Tangente gebracht. Dies führt generell zu einer harmonischeren Animation, denn gebrochene Tangenten stehen oft für sprunghafte Veränderungen von Werten, wie sie eher bei mechanischen Animationen vorkommen.

Aber natürlich kann das Brechen von Tangenten auch bewusst gewollt und für eine Animation hilfreich sein. In solchen Fällen helfen die folgenden Funktionen weiter, damit die Neigung zwischen den Tangente oder deren individuelle Skalierung beibehalten werden kann.

Möchten Sie den Winkel zwischen dem linken und dem rechten Arm einer Tangente beibehalten, aktivieren Sie das Icon Tangentenwinkel sperren (siehe Abbildung 1.50). Dies funktioniert unabhängig davon, ob die Tangenten gebrochen sind oder nicht. Mit aktiver Funktion lassen sich nur noch die Längen der Tangentenarme verändern. Aber auch dies lässt sich mit dem nächsten Icon noch abfangen: Tangentenlänge sperren verhindert das Skalieren der Tangenten. Beide Icons funktionieren sowohl unabhängig voneinander als auch zusammen. Sind beide Icons aktiv, bzw. die entsprechenden Optionen im Attribute-Manager angehakt, kann der Verlauf der Interpolationskurve an dem selektierten Key nur noch über den Keywert verändert werden.

Die nächsten beiden Icons gehen ähnlich vor. Mit Zeit sperren wird die Keyzeit eingefroren. Somit kann das entsprechende Keyframe nicht mehr entlang des Zeitstrahls verschoben werden. Dies ist hilfreich, wenn der Keywert interaktiv durch das senkrechte Verschieben eines Keyframes auf der Interpolationskurve editiert werden soll. Allzu leicht könnte dabei sonst aus Versehen auch eine seitliche Verschiebung stattfinden. Entsprechend sorgt Wert sperren dafür, dass keine versehentliche Veränderung mehr am Keywert vorgenommen werden kann.

Sind alle vier der auch in Abbildung 1.50 abgebildeten Icons aktiv, kann das entsprechende Keyframe gar nicht mehr editiert werden. Dies zeigt sich auch daran, dass dadurch alle Wertfelder des Keyframes im Attribute-Manager ausgegraut dargestellt werden. Diese Optionen lassen sich natürlich nicht nur einzeln, sondern auch auf Selektionen mehrerer Keyframes übertragen. Denken Sie z. B. an eine Weitergabe der Animation an eine andere Person. Durch das Sperren aller Key-Eigenschaften wird das versehentliche Verändern der Animation erschwert.
Icons zum Sperren der Tangenten, sowie zum Sperren von Keyzeit und Keywert
Abbildung 1.50: Icons zum Sperren der Tangenten, sowie zum Sperren von Keyzeit und Keywert

Zwei Icons fehlen uns nun noch, die ebenfalls etwas mit den Tangenten zu tun haben. Das erste Icon lässt sich mit dem Begriff Nullwinkel umschreiben. Dabei werden die Tangenten an selektierten Keyframes exakt horizontal ausgerichtet. Anders als noch bei der Ease Ease-Interpolation werden dabei nicht die Längen der Tangenten verändert. Das zweite Icon firmiert unter dem Namen Nulllänge und entspricht der harten Interpolation eines Beziér-Splines. Die Tangentenarme werden jeweils auf die Länge Null reduziert. Dadurch bildet die Interpolationskurve in der Regel eine Spitze im Keyframe, was z. B. für schlagartige Richtungswechsel während einer Animation genutzt werden kann. Die folgende Abbildung 1.51 stellt beide Icons und deren Wirkung noch einmal detailliert vor.

Links die ursprüngliche Interpolationskurve, rechts daneben die Wirkungen von Nullwinkel und Nulllänge
Abbildung 1.51: Links die ursprüngliche Interpolationskurve, rechts daneben die Wirkungen von Nullwinkel und Nulllänge

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium zur Animation von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette C4D-Kompendium mit über 950 Seiten Know-how als Download (PDF) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium – Die Animation.

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