Shader und Texturen: Haare und Fell mit CINEMA 4D erstellen – Die Haar-Werkzeuge

Sie haben bereits einige Funktionen innerhalb des Hair-Objekts kennen gelernt, über die Sie Einfluss auf die Formung der Haare und der Frisur nehmen können. Dies schließt die Nutzung von Kollision und Gravitation ein, um z. B. eine am Kopf anliegende Haarpracht als Ausgangsbasis für die weitere Modellierung zu erzeugen. Ich möchte Ihnen diese Werkzeuge daher nun im Schnelldurchlauf vorstellen. Sie finden sie ausnahmslos unter Simulieren > Hair Werkzeuge (siehe untere Abbildung).

CINEMA-4D Hair_Tools

Die Werkzeuge sind generell auch abhängig von dem gewählten Hair-Betriebsmodus und von eventuell existierenden Selektionen an den Guides. Die verschiedenen Modi und die Selektionsmethoden wurden bereits besprochen. Guides behalten durch die folgenden Werkzeuge immer den Kontakt zur Oberfläche und zu ihrer Wurzel. Möchten Sie hingegen Guides z. B. komplett an eine andere Stelle verschieben, müssen die entsprechenden Guides zuerst entwurzelt werden. Dazu selektieren Sie zuerst die Guides und wählen dann Simulieren > Hair bearbeiten > Guides entwurzeln. Die erneute Verwurzelung mit der Oberfläche wird dann durch Simulieren > Hair Werkzeuge > Wurzeln setzen ausgelöst.

Verschieben

Hiermit können Guides oder selektierte Elemente an den Guides im Editor verschoben werden. Ist dabei Haar IK aktiv, bleibt die Gesamtlänge der Guides erhalten. Mit Kollisionen und dem separaten Kollision Radius können zudem Durchdringungen zwischen den verschobenen Guides und der bewachsenen Oberfläche abgefangen werden.

Skalieren

Hierüber können Guides in ihrer Größe verändert werden. Diese Größenänderung kann Absolut oder Relativ und somit in Prozent erfolgen. Die Skalierungsrichtung geben Sie mit dem Entlang-Menü an. Die Werkzeugfunktion kann interaktiv mit der Maus im Editor oder über den Werkzeug-Teil des Dialogs über die Zuweisen-Schaltfläche ausgelöst werden.

Drehen

Guides können hiermit entweder um deren Wurzel oder in der Pivot-Einstellung Cursor relativ zur Mausposition im Editor rotiert werden. Wie beim Verschieben-Werkzeug, kann auch hierbei mit der Option Haar IK die Gesamtlänge der Guides beibehalten werden oder über die Kollision-Option eine Durchdringung zwischen Guides und der bewachsenen Oberfläche vermieden werden.

Bürste

Dies dürfte wohl das Werkzeug sein, das Sie zum Formen einer Frisur am häufigsten einsetzen. Sie können damit wie bei einem Magnet-Werkzeug Guides innerhalb eines gewissen Radius um den Mauszeiger mitziehen.

Die Optionen-Einstellungen

Der Radius-Wert gibt dabei den Aktionsradius des Werkzeugs vor. Innerhalb dieser Distanz legt das Abnahme-Menü teilweise im Zusammenspiel mit dem Breite-Werte und einer manuellen Kurve für den Kraftverlauf das Abnahmeverhalten fest. Die gewählte Form der virtuellen Werkzeugspitze kann über Seitenverhältnis verzerrt und über Winkel rotiert werden. Wenn Sie dabei mit einem drucksensitiven Grafiktablett arbeiten, können Sie über das Druck-Menü eine Verknüpfung dieser Eigenschaft z. B. mit dem Radius oder der Stärke des Werkzeugs herstellen.

Das Modus-Menü im unteren Teil der Dialogseite bestimmt, was die Bürste mit den Guides anstellen soll (siehe Abbildung 6.82).

CINEMA-4D - Die Einstellungen der Bürste, mit der Guides in Form gebracht werden können.

Abbildung 6.82: Die Einstellungen der Bürste, mit der Guides in Form gebracht werden können.

So sind damit nicht nur die bekannten Verschiebungen möglich, sondern u. a. Drehungen, Skalierungen und sogar das Glätten oder Löschen der Guide-Pfade. Selbst Vertex Map-Wichtungen können so den Punkten der Guides aufgemalt werden. In diesem Fall entsteht automatisch ein Haar Vertex-Tag an dem Objekt.

Die übrigen Optionen legen z. B. fest, ob Nur Sichtbare Guides manipuliert, oder, bei Nutzung von Beschränken, nur Guides auf selektierten Polygonen gebürstet werden können. Mit Auf Klick beschränken werden nur Guides editiert, die bei der Betätigung der linken Maustaste im Einflussbereich der Bürste lagen. Nur Selektierte limitiert die Wirkung der Bürste auf aktuell selektierte Elemente an den Guides. Die übrigen Optionen für Haar IK und die Kollisionen kennen Sie bereit von den anderen Werkzeugen.

Die Distanz-Einstellungen

Mit Distanz ist hier die Wegstrecke gemeint, die Sie mit der Bürste bei gehaltener linker Maustaste auf der Oberfläche zurücklegen. Ist Abnahme aktiv, definiert der Distanz-Wert eine Entfernung in Bildschirmpixeln, auf die die Distanzkurve bezogen wird. Der linke Rand dieser Kurve steht für den Zeitpunkt der Betätigung der Maustaste. Rechts finden Sie die unter Distanz angegeben Entfernung. Die Höhe der Kurve entspricht dabei der Stärke des Werkzeugs.

Die Sichtwinkel-Einstellungen

Hier wird es dann noch spezieller, denn die Wirkung der Bürste kann durch Aktivierung von Sichtwinkel abhängig gemacht werden vom Winkel zwischen der aktuellen Blickrichtung und der Wuchsrichtung an der Wurzel der Guides. Wer hier nicht nur eine lineare Abnahme nutzen möchte, kann zusätzlich die Abnahme-Kurve editieren.

Entlang Guide

Diese Option der Guideabnahme wirkt ähnlich wie die vorangegangenen Einschränkungen, bezieht sich hier jedoch auf die Nutzung der Bürste in Abhängigkeit zur Position auf den Guides. So kann dadurch die Bürste z. B. immer an den Guidewurzeln stärker als an den Spitzen der Guides wirken. Auch hier steht der linke Rand der Abnahme-Kurve wieder für die Wurzel der Guides und der rechte für die Spitzen. Die Höhe der Kurve darüber ergibt die Intensität der Werkzeugwirkung an der entsprechenden Stelle der Guides.

Kamm

Teilweise wird die Wirkung des Kamm-Werkzeugs bereits von der Bürste abgedeckt, einige spezielle Fähigkeiten rechtfertigen jedoch die separate Nutzung. Das Richtung-Menü legt zuerst einmal die Wirkrichtung des Kämmens fest. Neben Standardrichtungen z. B. im Kamera-, im Welt- oder im Objektsystem, können Haare auch entlang eines Splines oder gar durch die Farben einer Textur gekämmt werden. Der Stärke-Wert legt in jedem Fall die Intensität des Kämmens fest.

Bei der Nutzung eines Spline-Objekts orientieren sich die Guides jeweils an der Splinestelle mit der geringsten Entfernung zum Guide. Die Guides folgen dann dem Verlauf bzw. der Reihenfolge der Splinepunkte. Achten Sie daher auf die Laufrichtung des Splines und kehren Sie diese ggf. mit Mesh > Spline > Reihenfolge umkehren um.

Wird eine Textur zum Kämmen benutzt, werden die RGB-Werte des geladenen Bilds verwertet. Der Rotanteil steht für die X-Richtung, Grün für die Y-Richtung und Blau für die Z-Richtung der Guides. Egal für welche Methode Sie sich entscheiden, die Kurve gibt die Folgsamkeit der Guides bezogen auf deren Länge an. Links ist wie immer die Wurzel der Guides und rechts deren Spitze aufgetragen. Die Höhe der Kurve definiert also die Kämmbarkeit der Guides.

Die folgenden Optionen beeinflussen zudem das Ergebnis. Mit Von Wurzel übernehmen die Guides die Richtung der Wurzelbasis an den Guides für das Kämmen. Bei Nutzung von einer Geometriewichtung folgen die Guides automatisch dem Verlauf einer polygonalen Oberfläche nach. Sehr praktisch, um z. B. das Fell eines Tieres zumindest grob an die Körperform anzupassen. Der Wichtung-Wert legt dabei die Intensität dieser Anpassung an die Objektform fest. Ist Grenze aktiv, können Sie zusätzlich eine Distanz angeben, in der die Oberfläche um die Wurzelposition eines Guides herum analysiert wird. Dieser Wert sollte sich dann also an der Größe z. B. des Tiers orientieren, das mit Fell versehen werden soll.

Schließlich findet sich auch hier mit Eindringen verhindern wieder eine Option, um Durchdringungen der Haare mit der bewachsenen Oberfläche zu vermeiden. Das Kämmen kann nur durch Zuweisen in den Werkzeug-Einstellungen ausgeführt werden. Fällt der Effekt zu schwach aus, lassen Sie das Kämmen einfach durch mehrmaliges Anklicken von Neu transformieren erneut wirken.

Büschel

Die Bildung von Büscheln kennen Sie bereits aus den Einstellungen des Hair-Objekts. Dieses Werkzeug ermöglicht Ihnen einen ähnlichen Effekt, der sich so aber noch einfacher auf bestimmte Bereiche der Oberfläche begrenzen lässt.

Eine ähnliche Funktion finden Sie übrigens später auch noch einmal in den Einstellungen des Haar-Materials. Je nach gewünschter Intensität des Effekts müssen die Büschel daher nicht zwingend in die Guides modelliert werden. Die seitliche Abbildung zeigt den Effekt des Büschel-Werkzeugs in der Mitte der Frisur.

CINEMA-4D Hairstyle

Zuerst sollten Sie immer eine Selektion von Guides erstellen, die zu einem Büschel geformt werden sollen. Die Richtung-Vorgabe im Werkzeug legt dann die Berechnung des Effekts fest. Bei Linie werden alle beteiligten Guides gemittelt zu einer Wuchsrichtung des Büschels. Mitte richtet das Büschel auf den Mittelpunkt der Selektion aus. Durchschnitt hingegen errechnet den mathematischen Mittelpunkt aller Punkte an den beteiligten Guides und nimmt diesen als Zielpunkt des Büschels. Die Beibehaltung der ursprünglichen Guides-Länge ist hierbei nicht möglich.

Je nach Größe des selektierten Gebiets können nicht alle Guides die Spitze des Büschels erreichen ohne ihre Länge zu verändern. Ist Länge beibehalten aktiv, behalten die Guides in jedem Fall ihre ursprüngliche Länge. Die Stärke gibt die Kraft an, mit der die Guides zu einem Büschel geformt werden. Auch negative Werte sind hier möglich, wenn sich die Guides abstoßen anstatt anziehen sollen.

Durch Kurve kann die Stärke des Werkzeugs individuell über die Länge der Guides angewendet werden. Bei einer linear von links unten nach recht oben verlaufenden Kurve werden die Wurzeln der Guides gar nicht und die Spitzen am stärksten beeinflusst. Dies funktioniert jedoch nur in den Richtung-Modi Linie und Durchschnitt.

Durch Verdrehen kann eine zusätzliche Drehung auf die gebüschelten Guides angewendet werden. Soll dies auch wieder entlang der Guidelängen unterschiedlich ausfallen, steht auch dafür eine Kurve zur Verfügung. Das Werkzeug kann ansonsten interaktiv mit der Maus in den Editorfenstern oder über den Werkzeug-Teil des Dialogs ausgelöst werden.

Locken

Durch dieses Werkzeug können die Guides praktisch aufgerollt werden. Ähnliche Funktionen lassen sich auch hierbei wieder über das Haar-Material simulieren. Locken müssen daher nicht zwingend in die Guides modelliert werden.

Die Optionen

Die eigentliche Aufwicklung der Locken wird über Winkel und Straffen gesteuert. Winkel gibt dabei indirekt die Anzahl der Wicklungen an, wobei Straffen die Guides zusätzlich in Richtung der Oberfläche krümmt. Zusätzliche Einstellungen dazu finden Sie unter dem Straffen-Reiter des Werkzeugs.

Die Einstellungen für Höhe und Länge geben die Amplituden und Frequenzen der Lockenbildung vor. Die Höhe-Werte legen dabei die Auslenkung senkrecht zur Guidelänge fest. Über die Längen-Einstellungen geben Sie die Größe der Locken vor. Kleinere Längen resultieren daher in mehr Locken pro Guide. Werden die Höhe- und Längen-Parameter paarweise gleich eingestellt, ergeben sich kreisförmige Spiralen und Locken. Verschiedene Einstellungen für die X- und Y-Richtungen resultieren in elliptischen Formen.

Locken-Parameter

Hier finden Sie unter Locken X und Locken Y die Basiskurven, die für die Berechnung der Locken herangezogen werden (siehe Abbildung 6.83).

CINEMA-4D - Die umfangreichen Parameter des Locken-Werkzeugs

Abbildung 6.83: Die umfangreichen Parameter des Locken-Werkzeugs

So wie diese standardmäßig eingestellt sind, ergeben sich perfekt spiralförmige Locken über die gesamte Guidelänge. Da auch diese Kurven wieder von links nach rechts gelesen die Guidelänge wiedergeben, können Sie damit die Lockenbildung z. B. nur am Ende der Guides zulassen. Die eigentliche Auslenkung der Guides entsteht dann durch Multiplikation der Kurven mit den Werten aus den Optionen des Werkzeugs.

Die Stärke-Kurven

Diese Kurven skalieren die Locken entlang der Guides. Die Standardkurven verlaufen von links unten nach recht oben und führen daher zu einer verstärkten Lockenbildung gegen Ende der Guides, also an den Spitzen. Stärke X beeinflusst Höhe X und Länge Y. Stärke Y beeinflusst hingegen die Parameter Höhe Y und Länge Y aus den Optionen des Werkzeugs.

Die Straffen-Kurve

Die Straffung aus den Optionen des Werkzeugs führte zu einem Aufrollen des gesamten Guides in Richtung der Oberfläche. Über den Straffen-Funktionsgraphen können Sie die Wirkung dieses Effekts auf die Guidelänge definieren. Links ist die Wurzel des Guides aufgetragen, rechts die Spitze. Die Höhe der Kurve beschreibt damit die Intensität der Veränderung an der entsprechenden Stelle der Guides.

Schneiden

Das Werkzeug ähnelt in Bedienung und vielen seiner Optionen der Bürste. Ich möchte mich daher hier auf die Unterschiede zwischen den Werkzeugen konzentrieren. Wie der Werkzeugname schon andeutet, kann hiermit die Länge der Guides durch Abschneiden von Stücken beeinflusst werden. Bei Länge können Sie so z. B. eine pauschale Länge für die Guides vorgeben. Dies funktioniert jedoch nur, wenn der eingetragene Wert kleiner als die aktuelle Länge der Guides ist. Es geht hier schließlich um das Kürzen und nicht das Verlängern von Guides.

Sinnvoller ist oft jedoch einfach die interaktive Nutzung des Werkzeugs in den Ansichtsfenstern. Durch Übermalen mit dem Mauszeiger lassen sich so Guides interaktiv stutzen. Alternativ kann sogar ein anderes Polygon-Objekt als sogenanntes Schneidobjekt benutzt werden. Erzeugen Sie dazu z. B. einen Würfel und formen Sie diesen so, dass nur noch diejenigen Guideabschnitte innerhalb des Würfels liegen, die Sie behalten möchten. Wenn Sie nun den Würfel in das Feld Schneiden mit ziehen und Schneidobjekt anlegen betätigen, werden die Guidespitzen, die durch das Schneidobjekt nach außen ragen, abgeschnitten.

Schubsen

Mit dieser Funktion können Sie Guides, die ungewollt teilweise in die Oberfläche einsinken, so aufrichten, dass sie wieder vollständig über den Flächen liegen. Eine zweite Funktion ermöglicht das Auseinandertreiben benachbarter Guides, so als würden sich diese abstoßen. Dieses Werkzeug kann nicht interaktiv im Editor bedient werden, sondern muss über die Zuweisen-Schaltfläche in den Werkzeug-Einstellungen ausgelöst werden. Generell können Sie die durch das Werkzeug veränderten Guides auch selektieren lassen. Aktivieren Sie dazu die Geschubste selektieren-Option.

Um Guides vollständig auf eine Seite der Oberfläche zu befördern, aktivieren Sie die Oberfläche-Option. Damit die Guides dabei alle über den Vorderseiten der Polygone liegen, sollte zusätzlich Normale verwenden angeschaltet werden. Ansonsten können Guides z. B. auch in das Innere des bewachsenen Objekts verschoben werden.

Der Distanz-Wert gibt die kleinste Entfernung zwischen Guides und Oberfläche an, ab der die Abstoßung der Guidepunkte beginnt. Die Stärke-Kurve gibt schließlich die Anfälligkeit der Guides gegenüber dem Schubsen an. Die X-Achse dieses Graphen entspricht wie immer bei Haar-Werkzeugen der Länge der Guides. Eine nach rechts oben ansteigende Kurve führt somit dazu, dass die Spitzen stärker auf die Verschiebung des Werkzeugs reagieren als die Wurzel-Regionen der Guides.

Die bereits beschriebene zweite Funktion des Werkzeugs wird durch die Guides-Option aktiviert. Hierbei stoßen sich dann benachbarte Guides voneinander ab. Diese Berechnung kann recht aufwändig werden, wenn viele Guides beteiligt sind. Versuchen Sie daher im Vorfeld eine Selektion der Guides zu erstellen, die bearbeitet werden sollen. Eine Abstoßung findet nur dann statt, wenn die Guides enger als bei Distanz angegeben benachbart sind. Da die Verschiebung eines Guides wieder Auswirkungen auf andere Guides in der Nähe haben kann, wird diese Funktion in mehreren Schritten berechnet. Die Anzahl dieser Berechnungsschritte geben Sie mit dem Entspannung-Wert vor. Je mehr Schritte, desto präziser das Ergebnis. Die Kraftverteilung über die Guidelänge wird über eine Stärke-Kurve vorgegeben. Die Funktionsweise entspricht der ersten Stärke-Kurve des Dialogs.

Glätten

Dieses Werkzeug glättet die Form der Guides. Winkeländerungen im Verlauf der Guides werden dadurch abgemildert. Die Glättung kann dabei entlang dreier Richtungen erfolgen. Wurzel glättet in Richtung des ersten Guide-Segments an der Wurzel. Normale drückt den Guide in eine Senkrechte zur Oberfläche des bewachsenen Objekts. Entlang Guide schließlich behält die Hauptform des Guides bei und reduziert nur die Unregelmäßigkeiten der Form.

Der Stärke-Parameter gibt die Intensität des Effekts vor, wobei auch eine interaktive Bedienung mit der Maus im Editor möglich ist. Dies würde ich gegenüber der Auslösung über die Zuweisen-Schaltfläche auch vorziehen, da die Wirkung direkt beeinflusst und ggf. korrigiert werden kann. Übrigens sind auch negative Werte für die Stärke möglich, wenn Sie z. B. Unregelmäßigkeiten an den Guides noch verstärken möchten. Die Kurve gibt auch bei diesem Werkzeug wieder die Wirkung entlang der Guidelänge wieder. Sie kennen dies ja bereits von den anderen Hair-Werkzeugen her.

Guides malen

Guides werden in der Regel automatisch beim Aufruf des Hair-Objekts bzw. bei Zuweisung eines Objekts zum Hair-Objekt erzeugt. Wir können Guides aber auch individuell aufmalen. Dies ist recht praktisch, wenn Sie in einzelnen Regionen mehr Kontrolle über die Frisur benötigen, oder wenn z. B nur vereinzelte Grasbüschel benötigt werden. In der unteren Abbildung wurde auf diese Weise eine separate Tolle umgesetzt.

CINEMA-4D Gemalte Guides

Ist bereits ein Haar-Objekt samt Verknüpfung zu einer Oberfläche vorhanden, können Sie durch das Aufmalen zusätzliche Guides platzieren. Geht es nur um die bereits erwähnten Grasbüschel oder vielleicht auch um Augenbrauen an einer Figur, selektieren Sie das Polygon-Objekt, rufen Guides malen auf und malen einfach drauflos. Ein Hair-Objekt wird dann automatisch erzeugt. Zwischen den selbst aufgemalten Guides werden jedoch standardmäßig keine Haare interpoliert. Dies lässt sich nur ändern, wenn Sie im Hair-Objekt unter der Rubrik Haare das Menü Wurzeln von Auto z. B. auf Polygonflächen umschalten. Die Haare breiten sich dann wieder über die gesamte Oberfläche des Objekts aus, können aber z. B. durch eine Selektion oder Dichte-Map auf die Bereiche mit den gemalten Guides beschränkt werden. Eine weitere Möglichkeit bietet die Nutzung von Füllhaaren, um die Bereiche zwischen den gemalten Guides zu füllen.

Beachten Sie, dass durch das Hinzumalen von Guides auf ein bereits bestehendes Haar-Objekt, dessen Haar-Interpolation zwischen den Guides ebenfalls deaktiviert wird. Auch die bereits bestehenden Guides werden dann zu einzelnen Haaren degradiert und der normale, flächige Bewuchs zwischen den Guides wird deaktiviert!

Beim Aufmalen in den Editoransichten muss darauf geachtet werden, dass nur konvertierte Objekte zugelassen sind. Ein Würfel-Grundobjekt müsste also zuvor zu einem Polygon-Objekt umgewandelt werden. Ansonsten legt der Radius des Werkzeugs die Größe der Malspitze und Anzahl die Menge der pro Mausklick erzeugten Guides fest. Beim Malen mit gehaltener Maustaste spielt der Parameter Stufe eine Rolle. Dieser gibt die Pixelentfernung beim Verschieben des Mauszeigers an, nach der erneut die Anzahl neuer Guides erstellt wird.

Damit nicht zu viele Guides auf die gleiche Stelle gemalt werden können, definiert Min. Abstand die geringste noch zugelassene Entfernung zwischen den Guides. Daher kann es beim Malen in bereits mit Guides belegten Bereichen auch dazu kommen, dass nicht immer die volle unter Anzahl definierte Menge an Guides entsteht. Bemalen Sie Bereiche mit bereits frisierten Guides, können Sie Interpoliert zusammen mit dem Stärke-Wert benutzen. Dies führt dazu, dass sich die neuen Guides in ihrer Form an den bereits vorhandenen orientieren. Die Stärke legt dabei die Intensität der Anpassung fest. Ansonsten stehen die neuen Guides immer senkrecht auf der Oberfläche und werden auf die Länge skaliert.

Arbeiten Sie beim Malen mit einem Grafiktablett, können Sie über das Druck-Menü eine Verknüpfung zwischen dem Druck beim Zeichnen und dem Radius des Werkzeugs, sowie der Länge oder Anzahl der Guides herstellen.

Grasbüschel malen

Lassen Sie uns diese Funktion gleich einmal an unserem Bürgersteig ausprobieren. Wenn wir nahe der Hauswand schon Verwerfungen in den Bürgersteig modellieren, warum nicht auch ein paar durchbrechende Grashalme ergänzen? Selektieren Sie dazu erst das bereits konvertierte Landschaft-Objekt und dann das Guides malen-Werkzeug. Passen Sie dort den Radius so an, dass Sie kleine Grasbüschel erzeugen können. Ein Kreis um die Position des Mauszeigers gibt ja jederzeit die Größe der Malspitze im Editor wieder. Ich entscheide mich hier für einen Radius zwischen 10 cm und 15 cm, eine Anzahl um 15 und eine Länge der aufgemalten Guides von 10 cm. Die gewünschte Dichte an Guides kann ja durch mehrmaliges Klicken auf das gleiche Gebiet erhöht werden (siehe Abbildung 6.84).

CINEMA-4D - Individuell gemalte Grasbüschel in unserer Telefonzellen-Szene

Abbildung 6.84: Individuell gemalte Grasbüschel in unserer Telefonzellen-Szene

Beachten Sie hierbei, dass die Anordnung der Guides abhängig von dem Radius und der Anzahl ist. Bereits die Erhöhung oder Reduzierung z. B. der Anzahl um 1 führt daher zu einer ganz anderen Platzierung der Guides. Auf diese Weise können auch kleine Bereiche durch mehrmaliges Klicken gut mit Guides gefüllt werden.

Sind beim Malen ungewollte Guides z. B. direkt auf den Bordsteinen entstanden, wechseln Sie über Simulieren > Hair Modi in den Guides-Modus und wählen dann unter Simulieren > Hair Selektion die Live-Selektion aus. Selektieren Sie die unerwünschten Guides und rufen Sie anschließend unter Simulieren > Hair Bearbeiten den Eintrag Guides löschen auf. Ergänzen Sie auf diese Weise kleine Büschel nahe der Hauswand und vielleicht auch an der vorderen Bordsteinkante.

Spiegeln

Mit diesem Werkzeug können Sie entweder komplette Guides auf die andere Seite eines Objekts spiegeln, oder nur die Form der Guides von der einen Seite auf die Guides der anderen Objektseite übertragen. Sie treffen die Wahl zwischen diesen Funktionen über das Modus-Menü, wobei der Klonen-Modus dem Kopieren und Spiegeln auf die andere Objektseite entspricht. Durch Automatisch wurzeln können diese neuen Guides dann automatisch fest mit der Oberfläche verbunden werden. In jedem Fall muss die Zuweisen-Schaltfläche im Werkzeug-Teil des Dialogs zum Auslösen der Funktion verwendet werden.

Das Spiegeln-Menü gibt in jedem Fall die Spiegelebene vor, wobei die Koordinaten-Einstellung festlegt, ob diese im Welt- oder Objektsystem verwendet werden soll. Alternativ kann im Koordinaten-Modus Manuell auch ein beliebiges Objekt zugewiesen werden, dessen Koordinatensystem dann angewendet wird.

Im Modus Interpolieren werden keine neuen Guides erzeugt. Es werden dafür die Formen der selektierten Guides auf die entsprechenden Guides jenseits der Spiegelebene übertragen. Dies kann jedoch nur funktionieren, wenn die Guides auf beiden Objekthälften ungefähr ähnlich angeordnet und in gleicher Anzahl vorhanden sind. Kleine Variationen der Symmetrie sind jedoch möglich, denn der Suchen-Radius gibt eine gewisse Toleranz bei der Suche nach dem Gegenstück eines Guides vor. Über den Guides-Wert kann bereits ein einzelner gespiegelter Guide mehrere Guides auf der anderen Objektseite steuern. Der Guides-Wert gibt dabei die Zahl der Guides an, die zusätzlich in der Nachbarschaft mit beeinflusst werden.

Wurzeln setzen

Guides können entweder beim Löschen von Polygonen an der bewachsenen Oberfläche oder durch manuelles Entwurzeln die Verbindung zur Oberfläche verlieren. Diese Funktion sucht daher in der Nähe entwurzelter Guides nach Teilen der im Hair-Objekt zugewiesenen Oberfläche. Der Suchradius um die Wurzeln der Guides herum wird über Distanzgrenze vorgegeben. Liegt die Oberfläche also weiter entfernt, bleibt der Guide weiterhin entwurzelt.

Ist Spitzen überprüfen aktiv, wird dabei auch überprüft, ob nicht etwa die Spitze eines Guides näher an der Oberfläche liegt als die Wurzel. Die Guiderichtung wird dann automatisch umgedreht. Mit Wie Normale werden die Guides vor dem Verwurzeln schließlich so rotiert, dass die Guides senkrecht aus der Oberfläche wachsen.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette CINEMA 4D-Kompendium mit über 850 Seiten Know-how als Download (PDF und ePub) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium.

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