Modellierungswerkzeuge und –techniken: Mesh > Achse zentrieren

Wie Sie bereits bei der Besprechung des Achse-Modus gelernt haben, lässt sich das Achsensystem bei Polygon-Objekten beliebig drehen und verschieben, ohne dass die Geometrie dadurch beeinflusst wird. Um diesen Vorgang für einige Fälle automatisieren zu können, finden Sie unter Mesh > Achse zentrieren… einige gängige Funktionen zu diesem Thema.

CINEMA-4D - Abbildung 2.77: Dialog des Achse zentrieren-Werkzeugs

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Achse zentrieren…

Dieses Werkzeug öffnet dazu einen extra Dialog, über den Sie die Lage und Ausrichtung der Objektachsen neu definieren können (siehe Abbildung 2.77).

CINEMA-4D - Abbildung 2.77: Dialog des Achse zentrieren-Werkzeugs

Abbildung 2.77: Dialog des Achse zentrieren-Werkzeugs

Die oberste Zentrieren-Option muss dort ausgewählt sein, damit der Dialog ausgewertet wird. Über das Aktion-Menü legen Sie die Funktionsweise des Werkzeugs generell fest. Achse zu bedeutet, dass nur die Objektachse editiert wird. Die Geometrie bleibt also unverändert stehen. Anders bei Objekt zu, denn hier werden die Punkte, Kanten und Flächen verschoben. Das Achsensystem bleibt dabei an der aktuellen Stelle, während sich die Geometrie zur Achse hin verschiebt.

Bei Ansichtsmitte wird das gesamte Objekt samt Achsensystem in die Mitte der aktuellen Ansicht verschoben. Überobjekt zu führt dazu, dass das dem selektierten Objekt in der Hierarchie übergeordnete Objekt auf die Position des selektierten Objekts gesetzt wird. Dies betrifft also das Achsensystem und die Geometrie des Überobjekts. Sie können über die Position-, Winkel- und Größe-Optionen bestimmen, welche Eigenschaften des selektierten Objekts dabei übernommen werden sollen. Den gegenteiligen Effekt hat die Aktion Zu Überobjekt. Hier werden die Eigenschaften des selektierten Objekts an das übergeordnete Objekt angepasst. Dies kann je nach Optionen-Wahl wieder eine Kombination aus Position, Größe und Winkel sein. Denken Sie daran, dass Größe hier nicht die Abmessungen des jeweiligen Objekts meint, sondern die Achslängen des Objekt-Achsensystems. Standardmäßig ist dies also die Einheitslänge 1 für alle drei Achsen. Nur bei verzerrten Achssystemen sind hiervon abweichende Längen zu erwarten.

Das Zentrieren-Menü definiert, wie die Geometrie eines Objekts zur Bestimmung der neuen Achsenposition ausgewertet wird. Bei Alle Punkte werden die Koordinaten aller Punkte ausgewertet. Bei der Wahl von Selektierte Punkte, Selektierte Polygone oder Selektierte Kanten dagegen werden nur die aktuell am Objekt selektierten Punkte, Kanten oder Polygone ausgewertet. Dazu müssen Sie sich nicht in dem entsprechenden Betriebsmodus befinden. Auch wenn Sie im Modell-Modus sind können also z. B. die aktuell Selektierte Polygone hierfür herangezogen werden.

Ist die Option Punktmitte zusätzlich zu Zentrieren Alle Punkte aktiviert, wird das Achsensystem exakt auf die rechnerische Mitte der Objektgeometrie gesetzt, ansonsten haben Sie bei den Aktionen Achse zu und Objekt zu auch die Möglichkeit, über die X-, Y- und Z-Regler die Position der Objektachsen innerhalb des Um-Quaders zu definieren.

Der Um-Quader eines selektierten Objekts wird durch die eingezeichneten Ecken in den Editoransichten verdeutlicht und gibt die maximalen Ausdehnungen eines Objekts entlang seiner X-, Y- und Z-Achsen an. Die Nutzung der Zurücksetzen-Schaltflächen mittelt die X-, Y- und Z-Regler automatisch, sodass wieder die mathematische Mitte des Objekts berechnet wird.

Bei den Aktionen Ansichtsmitte und Zu Überobjekt können mit aktivierter Option Unterobjekte einschließen automatisch auch dem selektierten Objekt untergeordnete Modelle mit verschoben werden. Bei der Aktion Achse zu kann bekanntlich das Achsensystem z. B. auf die Mitte der Punktkoordinaten zentriert werden. Sind hierbei mehrere Objekte im Objekt-Manager ausgewählt, können über die Option Alle Objekte einschließen auch deren Punkte in diese Berechnung einfließen. Tatsächlich verschoben wird jedoch immer nur das Achsensystem des obersten, selektierten Objekts einer Hierarchie.

Ohne weitere Vorkehrungen müssen Sie nach jeder Veränderung im Dialog die Ausführen-Schaltfläche betätigen, um die neu berechneten Achsen im Editor betrachten zu können. Ist die Auto-Update-Option aktiv, entfällt dieser Schritt. Veränderungen werden sofort im Editor sichtbar. Einzig für die Nutzung der X-, Y- und Z-Regler gilt dies nur eingeschränkt. Während des Ziehens eines Reglers findet keine Neuberechnung der Editoransichten statt. Erst nach dem Loslassen eines Reglers erfolgt das Update. Die Option Editor-Update sorgt zusätzlich bei von Punkt-, Kanten- oder Polygon-Selektionen abhängigen Operationen dafür, dass beim Umschalten des Betriebsmodus ebenfalls eine Aktualisierung der Editoransichten erfolgt.

In den bislang besprochenen Funktionen ging es ausschließlich um die Position des Objektachsensystems. Ist die Ausrichtung-Option aktiv kann jedoch auch die Richtung der Achsen definiert werden. Bei Achse Normale werden die Normalen der Oberfläche ausgewertet und gemittelt. Dies macht vor allem bei der Nutzung von Selektionen Sinn, da nur so eine zur Oberfläche passende Richtung resultieren kann. Durch Wahl im Ausrichtung-Menü definieren Sie, welche Objektachse sich parallel zur gemittelten Normale ausrichten soll. Da die gemittelte Normale nur eine Achsrichtung vorgeben kann, bleibt die Ausrichtung der übrigen zwei Objektachsen etwas wage und ergibt sich aus der ursprünglichen Ausrichtung der Achsensystems. Die Wahl von Achse Alle entspricht daher der Wahl von Achse Y. Die Y-Achse des Objektsystems zeigt dabei in Richtung der gemittelten Normale. Natürlich wird in jedem Fall dafür gesorgt, dass alle Achsen senkrecht zueinander bleiben und die Einheitslänge behalten.

Bei Ausrichtung Welt ergeben sich da schon verbindlichere Ergebnisse, denn das Weltsystem besteht schließlich ebenfalls aus drei Achsen. In der Einstellung Achse Alle werden daher alle Achsen des Objektsystems an die entsprechenden Achsen des Weltsystems angeglichen. Bei anderen Achse-Einstellungen folgt immer nur die ausgewählte Achse der gleichnamigen Achse des Weltsystems. Verdrehungen des Objektsystems um die ausgewählte Achse herum bleiben dann also möglich.

Die Einstellung Selektierte Kante für die Ausrichtung schließlich wertet selektierte Kanten am Objekt aus. Dies macht vor allem bei der Selektion einer einzelnen Kante Sinn, um ein präzises Ergebnis zu erhalten. Über das Achse-Menü wählen Sie die Objektachse aus, die sich an der Richtung der selektierten Kante orientieren soll. In der Einstellung Achse Alle ist dies automatisch die X-Achse, wobei zusätzlich die Y-Achse des Objektsystems an der gemittelten Normale der selektierten Kanten ausgerichtet wird.

Sie sehen also, dass dieser Dialog Ihnen bereits viel Kontrolle über eine präzise Positionierung der Objektachsen bietet. Wer diese Fülle an Einstellmöglichkeiten nicht benötigt, kann direkt über die übrigen Einträge unter Mesh > Achse zentrieren auf die gängigsten Funktionen zugreifen. Die Einträge für Zentriere Achse zu, Zentriere Objekt zu, Zentriere Überobjekt zu, Zentriere zu Überobjekt und Ansichtsmitte entsprechen somit exakt den Wahlmöglichkeiten des Aktion-Menüs, das wir bereits besprochen haben. Bei diesen Befehlen kommen immer die Standardeinstellungen zum Einsatz. Es findet also z. B. keine Ausrichtung des Achsensystems statt.

Über den Autor

Dieses Tutorial ist ein Auszug aus dem CINEMA 4D-Kompendium von Arndt von Koenigsmarck. Das komplette CINEMA 4D-Kompendium mit über 850 Seiten Know-how als Download (PDF und ePub) gibt es hier: CINEMA 4D-Kompendium.

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